Auf den 29. Juni 2007 hatten Apple-Fans fast sechs Monate gewartet: Das iPhone kam endlich in die Regale der Händler. Zum 10. Geburtstag des iPhones blicken wir zurück auf eine Innovation, mit der die Revolution unseres Medienkonsums begann.

„Dies ist ein Tag, auf den ich mich zweieinhalb Jahre gefreut habe. Von Zeit zu Zeit kommt ein revolutionäres Produkt auf den Markt, das alles verändert. […] Heute präsentieren wir drei revolutionäre Produkte dieser Klasse. Das erste ist ein Widescreen iPod mit Touch Control. Das zweite ist ein revolutionäres Mobiltelefon. Und das dritte ist bahnbrechendes Internet-Kommunikationsgerät.“ begann Steve Jobs im Januar 2007 sein berühmtes „One more thing“. Erst einige Sekunden später begriff das Publikum vor Ort, dass es sich tatsächlich nicht um drei verschiedene Geräte handelte, sondern um eines: Das iPhone.

Dabei stand die Präsentation unter keinem guten Vorzeichen. Zum Zeitpunkt der Keynote wussten die Hardware-Entwickler nicht, wie die Software aussieht und das Software-Team nicht, für was für ein Gerät sie eigentlich Gesten-Steuerung, Apps und Co. programmierten. Die Demo der einzelnen Funktionen funktionierte anhand eines präzisen Skripts, das bei Abweichungen vom vorgeschriebenen Weg wie ein Kartenhaus zusammengefallen wäre. Anfassen und Ausprobieren im Anschluss an die Präsentation? Ausgeschlossen.

 

Campende Fans und genervte Rezensenten

Erst zwei Wochen vor dem Verkauf schickte Apple iPhones an vier ausgewählte Journalisten: David Pogue, Walt Mossberg, Steven Levy und Ed Baig. Zwischen der Veröffentlichung ihrer Reviews und dem Verkaufsstart lagen nur zwei Tage. Entsprechend aufgeregt war wohl auch Apples Mitbegründer und Chef Steve Jobs. „Er hat mehrmals täglich angerufen und gefragt ,Na wie gehts?’ erinnert sich Mossberg, der damals noch für das Wall Street Journal schrieb. Eine Antwort bekam Jobs nicht – zum Glück: „Ich war kurz davor, das Ding aus dem Fenster zu schmeißen, weil ich versucht habe auf Glas zu schreiben!“ Zu dieser Zeit saß BlackBerry noch auf dem Smartphone-Thron und war vor allem aufgrund seiner exzellenten Tastaturen beliebt. Dem iPhone fehlten aber auch andere, auf herkömmlichen Telefonen fast selbstverständliche Funktionen: Die Rückkamera konnte nur Fotos, aber keine Videos aufzeichnen. Eine Frontkamera für Videogespräche war gar nicht enthalten und Fotos ließen sich nur per Mail verschicken. Auch eine Funktion zum Kopieren und Einfügen von Texten war nicht vorhanden, vom App Store ganz zu schweigen.

Und trotzdem standen die Kunden in Scharen an. Vor Apple Stores in den USA und vor den Geschäften des US-Mobilfunkers AT&T bildeten sich schon Tage zuvor lange Schlangen, weil alle zu den ersten iPhone-Besitzern überhaupt gehören wollten. Damals war das iPhone nur bei AT&T und nur in Kombination mit einem Vertrag erhältlich – US-Sozialversicherungsnummer und -Kreditkarte vorausgesetzt. Zu den ersten gehörte auch der BILD-Redakteur Andreas Brohme. Sein erster Eindruck: „Das iPhone vermittelt dem Nutzer tatsächlich ein völlig neues Gefühl der Bedienung. Vergessen Sie alles, was Sie über Handys bisher gelernt haben. Eine Zahlentastatur fehlt bei dem Handy komplett. Alle Funktionen werden über den großen, berührungsempfindlichen Bildschirm angewählt.“ Heutzutage ist der Touchscreen eine Selbstverständlichkeit – dank Apple.

 

Das iPhone hat Karten, Kameras und MP3-Player ersetzt

Mit dem Smartphone in der Tasche ist es aber auch eine Selbstverständlichkeit, dass viele Dinge von vor zehn Jahren inzwischen einen festen Platz in der Schublade zugewiesen bekommen haben. Faltkarten? Wurden erst durch Google, später durch Apple Maps ersetzt. Bei seinem MP3-Player iPod – damals noch für die Hälfte der Umsätze verantwortlich – ging Apple zusammen mit dem iPhone den gleichen Weg in Form des iPod touch. Inzwischen ist aber auch dieser zusammen mit anderen MP3-Playern so gut wie verschwunden. Bei den Kameras hat das Smartphone vor allem günstige Kompaktkameras verdrängt. Drei Branchen sind so innerhalb eines Jahrzehnts fast vollständig verschwunden. Entwickelt sich die Smartphone-Branche im gleichen Tempo weiter, sind vermutlich Kameras im Jahr 2027 nur noch im Museum zu bestaunen. Doch auch Neues hat das iPhone hervorgebracht: Geschäftsmodelle wie Uber, so manche Banken oder Spiele wie Pokémon Go sind nur dank der entstandenen App-Ökonomie möglich.

 

Die Reise geht weiter: EC-Karten, Haustürschlüssel, Computer und was noch?

Wenn wir in zehn Jahren zurückblicken, was werden dann die Produkte sein, die nur noch von wenigen Smartphone-Verweigerern verwendet werden? Vermutlich die vielen im Portemonnaie befindlichen Karten und Tickets. Mit der Wallet-App und Apple Pay ist Apple schon seit 2014 dabei, diesen Bereich umzukrempeln. Dank Fingerabdruck-Sensor sind iPhones so sicher wie noch nie. Auch andere Hersteller setzen inzwischen auf biometrische Merkmale. Das Bezahlen mit dem Smartphone ist nicht nur sicherer als mit einer EC-Karte mit PIN oder Unterschrift, sondern auch schneller. Studien zufolge wird schon heute etwa jede fünfte Transaktion in den USA mit Apple Pay gezahlt. Da Apple Pay mit jedem Bezahlterminal mit kontaktloser Kreditkartenzahlung funktioniert, ist auch in Deutschland schon längst die nötige Infrastruktur vorhanden. Was fehlt, sind Verträge mit den hiesigen Banken. Sobald diese Hürde genommen ist und iPhone-User mit dem Smartphone bezahlen, werden auch andere Hersteller die kontaktlose Zahlung per NFC-Chip in die Minimalanforderungen ihrer Smartphones aufnehmen.

Ein weiterer Bereich, der schon jetzt Fahrt aufnimmt, ist die Heimautomatisierung. Mit HomeKit und Home-App hat Apple eine Schnittstelle geschaffen, die es jedem ohne Programmierkenntnisse erlaubt, Smart-Home-Produkte wie LED-Lampen oder Steckdosen zu Hause zu installieren. Neue Bluetooth-Standards, Mobilfunk für das Internet der Dinge und weitere Fortschritte dürften die Hürden weiter senken und die Möglichkeiten erweitern. Der nächste logische Schritt: Das iPhone als Türöffner – nicht nur in Hotels, was dank Wallet-App schon jetzt klappt, sondern auch für die eigene Haustür.

Bei den Computern könnte in den kommenden Jahren ebenso eine größere Änderung bevorstehen. Schon jetzt sind Smartphones und Tablets für viele ein Computerersatz. Von anspruchsvollen Aufgaben wie Videoschnitt, Bildbearbeitung oder Prozessen in der Industrie abgesehen, könnte das Smartphone – allen voran das iPhone – daher auch klassische Computer vom Schreibtisch verbannen. Wie das aussieht, zeigen schon jetzt Microsoft mit Continuity oder Samsung mit DeX: Eingesteckt in ein Dock, das über einen Netzwerk- und USB-Anschluss sowie ein HDMI-Port für einen externen Monitor verfügt, übernimmt das Smartphone einfach die Rolle des Desktop-Rechners. Dass Apple das iPhone ebenfalls mehr und mehr als Computerersatz sieht, zeigen Profi-Apps wie die Dateiverwaltung Finder, die mit iOS 11 im Herbst auf dem Smartphone verfügbar sein werden.

Was denkt ihr? Welche Produkte werden Smartphones in den nächsten zehn Jahren noch überflüssig machen? Wir freuen uns auf eure Beiträge!