Vor genau 10 Jahren, am 9. Januar 2007, verkündete Steve Jobs die gute Nachricht vom iPhone. Von den Anfängen damals berichtet Charlotte Erdmann, Buchautorin und Redakteurin rund um das Thema Apple, die zur Vorstellung des iPhone im September 2007 in Berlin dabei war.

Im Juli 2006 meinte Jobs noch auf die Frage nach dem Nachfolger des iPod: „Wir sitzen nicht herum und machen nichts.“ Am 9. Januar 2007 wurde aus den Gerüchten dann Realität.

Ein iPod, ein Telefon und ein Internet-Kommunikationsgerät

Steve Jobs eröffnete die Macworld Conference & Expo in San Francisco und präsentierte nach 25 Minuten Vorrede, worauf alle schon mit Spannung gewartet hatten: Mit geneigtem Kopf vor einem Apple-Logo, das an eine Sonnenfinsternis erinnerte, legte er eine kleine Redepause ein und fuhr dann bedeutungsschwer fort: „Dies ist ein Tag, auf den ich mich zweieinhalb Jahre gefreut habe. Von Zeit zu Zeit kommt ein revolutionäres Produkt auf den Markt, das alles verändert. […] 1984 stellten wir den Macintosh vor. Er veränderte nicht nur Apple, er veränderte die gesamte Computerindustrie. 2001 stellten wir den ersten iPod vor. Er veränderte nicht nur die Art, wie wir alle Musik hören, er veränderte die gesamte Musikindustrie.

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Nun, heute präsentieren wir drei revolutionäre Produkte dieser Klasse. Das erste ist ein Widescreen iPod mit Touch Control. Das zweite ist ein revolutionäres Mobiltelefon. Und das dritte ist bahnbrechendes Internet-Kommunikationsgerät.“ Noch wussten die über Tausend Anwesenden aus Presse und Fernsehen nichts mit dieser Ankündigung anzufangen. Deshalb wiederholte Jobs immer wieder „ein iPod, ein Telefon und ein Internet-Kommunikationsgerät“, bis die Menge zu johlen anfing und er fragte: „Habt ihr es verstanden? Dies sind nicht drei verschiedene Geräte, dies ist ein Gerät!“ Zu diesem Zeitpunkt war die Zuschauermenge nicht mehr zu halten – Pfiffe, Johlen und Klatschen führten das neue Gerät ein. „Und wir nennen es iPhone“, führte Jobs weiter vor dem nun lachenden Publikum aus.

Live erlebt: Das Handy wird smart

Ich saß damals vor dem Rechner und verfolgte das Geschehen mit. Zusammen mit einem Redaktionsteam tickerten wir live für eine Apple-Newsseite. Damals schrieb man noch alles in Ticker, Apple gab nur Auserwählten Zugang zu den Pressekonferenzen. So war es auch im September 2007, als Steve Jobs persönlich nach Berlin gereist kam, um das iPhone in Deutschland einzuführen. Da hatte Apple bereits, wie es Steve Jobs genau vor zehn Jahren ausführte, das Telefon neu erfunden. Denn, so Jobs, Smartphones hatten damals das Problem, „dass sie nicht so smart sind und nicht so einfach zu benutzen. […] Was wir machen wollen, ist ein vorwärts führendes Produkt, das sehr viel smarter ist als jedes Mobilgerät jemals war. Und das total einfach zu benutzen ist.“

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Als Kenner der Materie waren wir damals begeistert: Statt Tasten gab es einen Home-Button, die Steuerung geschah über Gesten. „Wer will schon einen Stylus? Wir haben das Zeigegerät genutzt, mit dem wir alle geboren wurden: den Finger“, meinte Jobs dazu. Multitouch ersetzte Knopfeingaben. Als Betriebssystem nutzte das iPhone Apple OS X. „Es kann alles, was wir benötigen“, erläuterte Jobs. „Es besitzt dadurch echte Desktop-Klasse für Anwendungen und Internet.“

Steve Jobs

Hinzu kam eine 2-Megapixel-Kamera und dieses Mobiltelefon konnte Mails von IMAP- und POP3- Konten abrufen und echte Webseiten darstellen. „Das Internet in deiner Tasche, das erste Mal überhaupt“, sagte Steve Jobs dazu. Sein Schlusssatz damals gilt noch heute: „iPhone ist, wie dein Leben in deiner Tasche zu haben.“

Verzögerter Verkaufsstart

Doch noch mussten sich die Kaufinteressenten gedulden: In den USA war das iPhone ab dem 29. Juni 2007 exklusiv mit einem 2-Jahres- Vertrag von Cingular bzw. dem neuen Cingular-Partner AT&T erhältlich. In Europa mussten Kunden noch bis zum Herbst warten. Und für Asien war erst 2008 als Einführungstermin geplant. Die Verzögerungen erklärte Steve Jobs damit, dass ein „Produkt wie dieses durch zahlreiche FCC-Abnahmen gehen muss, die einige Monate in Anspruch nehmen. Und wir denken, es ist besser, wenn wir das Gerät vorstellen, als wenn das die FCC in den kommenden Monaten übernimmt.“ Die Presse nahm das als gefundenes Fressen, um darüber zu sinnieren, ob Apple nur heiße Luft produziert habe oder wirklich liefern könne. Im Juni dann die Überraschung für alle: Es gab das iPhone wirklich! Nur konnte Apple die Nachfrage nicht ausreichend befriedigen. Hinzu kam die Zusammenarbeit mit nur einem Netzbetreiber.

iPhone kommt nach Europa

Anfang Juli 2007 mehrten sich die Meldungen, dass Apples Mobiltelefon in Europa zunächst nur in Deutschland und nur über T-Mobile sowie in Großbritannien und Frankreich verkauft wird. Erst im September aber gab Apple bekannt, wer die auserwählten Mobilfunkbetreiber in Europa sein würden: Das iPhone war in Großbritannien über O2 für 269 Pfund und in Deutschland über T-Mobile ab dem 9. November 2007 erhältlich. Zur Vorstellung des Geräts reiste Steve Jobs eigens zunächst am 18. September nach London. Am 19. September folgte Berlin, wo Jobs zusammen mit Telekom-Chef René Obermann und T-Mobile-Chef Hamid Akhavan den deutschen Verkaufsstart des 8-Gbyte-iPhone zum Preis von 399 Euro zusammen mit einem T-Mobile-Zweijahresvertrag ankündigte.

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Ich wurde dazu zusammen mit etwa 100 anderen deutschen Journalisten in die Deutsche Telekom AG Hauptstadtrepräsentanz geladen. Auf einem Stehhocker positioniert präsentierte Jobs das iPhone. Damals schon angeschlagen und dünn, hatte man den Eindruck, dass die letzten Monate nicht spurlos an ihm vorbeigezogen waren. Mir persönlich fehlte bei dieser Vorstellung der Esprit, den Jobs ansonsten immer zeigte. Er wirkte müde, stellte sich aber tapfer den Fragen. Wir Anwesenden waren sowieso nur an einem interessiert: Endlich für unsere Leser das erste Telefon in Händen zu halten, das auch Internet kann. Was für eine Innovation!

10.000 iPhones an einem Tag

Allein am ersten Verkaufstag kauften die Deutschen 10.000 iPhones. Ende September folgte schließlich die Ankündigung für Frankreich, wo ab dem 29. November 2007 die France Telekom (Orange) den exklusiven Vertrieb des iPhone übernahm. Anders aber als in Großbritannien oder Deutschland musste Apple in Frankreich aufgrund des französischen Verbraucherrechts das iPhone vertragsfrei und ohne SIM-Lock anbieten. Das führte ab Ende November zu einem wahren iPhone-Tourismus nach Frankreich. Später folgten weitere Länder, die das iPhone vertragsfrei anbieten, darunter Belgien, Griechenland, Luxemburg, Liechtenstein, Polen, Schweiz, Italien und viele mehr. Das iPhone war in Europa angekommen und hatte trotz der Providerbindung seinen Siegeszug angetreten.

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