Wir haben mit dem Elternratgeber „SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht“ über den richtigen Umgang mit Smartphones für Kinder gesprochen.

Unsere Kinder verbringen viel Zeit in der digitalen Welt. Deshalb ist es besonders wichtig, dass Eltern ihren Kindern Medienkompetenz beibringen. Damit die Fragen, ab wann ein Kind sein eigenes Smartphone bekommt und wie oft es dies am Tag nutzen darf, nicht zu Familienstreit führen, gibt SCHAU HIN! unter www.schau-hin.info Tipps für einen sinnvollen Umgang mit Smartphone und Tablet.

Zwischen elf und zwölf Jahren ist ein Kind reif für ein eigenes Smartphone

Ein eigenes Smartphone eignet sich für Kinder ungefähr im Alter zwischen elf und zwölf Jahren, wenn sie schon genug Erfahrung und Reife besitzen, mit den vielen Funktionen verantwortungsvoll umzugehen. Vor dem Kauf eines eigenen Geräts ist es also sinnvoll, gemeinsam mit den Kindern am gesicherten Smartphone und Tablet der Eltern zu spielen, zu surfen oder zu schauen, um den Kindern Sicherheit im Umgang mit den Geräten zu vermitteln.

Beim Kauf eines Smartphones sollten Eltern auf die Fähigkeiten des Kindes achten

Beim Kauf der ersten Smartphones für jüngere Kinder sollten sich Eltern vorab über die Möglichkeiten der Modelle informieren, also darüber, welche wichtigen Sicherheitseinstellungen auf dem Smartphone direkt vorgenommen werden können und welche Apps für mehr Jugendschutz angeboten werden. Es empfiehlt sich auch am eigenen Gerät oder eventuell einem älteren Smartphone von Freunden und Bekannten zu testen, ob das Kind das Smartphone alleine zuverlässig bedienen kann. Einen Überblick über die grundlegenden Daten verschiedener Betriebssysteme bietet die EU-Initiative Klicksafe. Für Kinder und besonders Jugendliche sind Marken und neue Modelle attraktiv. Vor allem für den Einstieg sind solche Geräte jedoch weniger geeignet. Je teurer der Kauf des Smartphones ist, desto größer ist auch die Verantwortung, die einem Kind mit dem Besitz eines so teuren Geräts übertragen wird. Grade jüngere Kinder kann es unter Druck setzen, wenn ihnen immer wieder eingeschärft wird, gut darauf aufzupassen. Geht das Smartphone verloren oder zu Bruch, können die Schuldgefühle das Kind stark belasten.

Unser Tipp: Aktiviert auf Apple-Geräten die Familienfreigabe, um über die App „Mein iPhone suchen“ ein verloren gegangenes Gerät zu sperren und zu orten.

Familienfreigabe

Eltern sollten sich mit Sicherheitseinstellungen auskennen und ihre Kinder über Risiken informieren

Besonders zu Beginn ist es wichtig, dass Eltern die Sicherheitseinstellungen des Geräts im Blick haben. Für den Einstieg bieten sich Kindersuchmaschinen an (wie zum Beispiel Blinde Kuhund fragFINN), die nur gefilterte Ergebnisse anzeigen. Kinder sollten jedoch von Anfang an einbezogen und eingeweiht werden. Eltern sollten sie darüber informieren, wenn sie gewisse Anwendungen oder Seiten sperren. So lernen die Kinder, welche Einstellungen sinnvoll und wichtig sind. Am besten wird Sicherheit schon thematisiert, wenn Kinder das Smartphone der Eltern zum Spielen oder Surfen nutzen. Ohne ihren Kindern Angst zu machen, sollten Eltern mit ihren Kindern auch Themen wie Cyber-Grooming (sexuelle Belästigung im Internet), Verschwörungstheorien im Netz, medialer Körperkult und anderes besprechen, und ihnen erklären, wie sie sich vor Viren und Spionage-Software schützen und Apps sicher aus dem Netz herunterladen können.

fragFINN

Unser Tipp: Über die Funktion „Bildschirmzeit“ sperrt ihr in den iPhone- und iPad-Einstellungen mithilfe von Beschränkungen bestimmte Apps und Funktionen auf dem Gerät eures Kindes. Auch anstößige Inhalte, Käufe und Downloads lassen sich über diese Funktion sperren.

Bildschirmzeit

Vor dem Kauf einer App sollten Eltern die Datenschutzerklärung des Herstellers prüfen 

Viele Smart Toys werden mithilfe von Apps über Smartphone oder Tablet gesteuert. Daher ist es wichtig, die Apps vor dem Kauf genau zu prüfen. Durch die Installation der App wird die Datenschutzerklärung des Herstellers automatisch akzeptiert. Eltern sind gut beraten, genau darauf zu achten, wie der Hersteller mit persönlichen Daten umgeht. Informationen zu den Zugriffsrechten der jeweiligen Apps für Spiele lassen sich für Android-Geräte im Google Play Store und für Apple-Geräte im App Store schon vor dem Kauf des Spielzeugs prüfen. Hilfreich sind hier auch Bewertungen anderer Nutzer. Seriöse Hersteller stellen zudem Transparenz her und informieren schon auf den Verpackungen genau darüber, welche Daten wie genutzt werden.

Auch bei der Verbreitung eigener Inhalte müssen Kinder Regeln beachten

Surferfahrung bedeutet auch zu wissen, welche Inhalte im Internet geteilt werden dürfen und welche nicht. Musik und Bilder, die nicht selbst erstellt wurden, sind meist urheberrechtlich geschützt. Wenn private Fotos ungefragt verbreitet werden, verletzt das zusätzlich die Privatsphäre der Betroffenen.

Geregelte Medienzeiten geben Kindern Orientierung und beugen Konflikten vor

Um Kindern einen verantwortungsvollen Umgang mit Medien zu vermitteln, geben feste Medienzeiten Orientierung. Bei jüngeren Kindern bis zehn Jahren sollten Eltern darauf achten, dass ein tägliches Maß bei der Mediennutzung nicht überschritten wird. Die Mediennutzung für die Schule ist dabei nicht anzurechnen. Empfehlenswert ist, dass Kinder bis fünf Jahre Smartphone oder Tablet höchstens eine halbe Stunde am Stück und dann auch zusammen mit ihren Eltern nutzen, Kinder zwischen sechs und neun Jahren bis zu einer Stunde am Stück.

Bei älteren Kindern ab zehn Jahren empfiehlt es sich, ein wöchentliches Zeitkontingent zu vereinbaren. Kinder können so ihre eigenen Erfahrungen machen. Wird die vereinbarte Zeit an nur zwei Tagen verbraucht, bleiben die Bildschirme für den Rest der Woche dunkel. So lernen Kinder, sich ihre Ressourcen vorausschauend einzuteilen und ein gesundes Maß zu finden. Eine Orientierung bietet folgende Faustregel: zehn Minuten Medienzeit pro Lebensjahr am Tag oder eine Stunde pro Lebensjahr in der Woche.

Unser Tipp: Die Funktion „Bildschirmzeit“ hilft euch auch hier. Ihr könnt dort zum Beispiel Zeitlimits für bestimmte Apps oder App-Kategorien einstellen. Spiele sind am Abend dann beispielsweise tabu, während die Musik-App für ein Hörspiel erlaubt ist.