Das neue Energielabel ist da

Für Monitore und Lampen gelten überarbeitete Energieeffizienzklassen. Plötzlich rutschen A+++-Produkte in die Gruppen B oder C. Wir erklären, warum das gut ist. Und was sich sonst geändert hat.

Wenn ihr euch einen neuen Monitor anschaffen wollt oder gerade erst einen gekauft habt, könnte euch der Blick auf das Energielabel womöglich verwirren. Wieso ist der EIZO Flex Scan, der kürzlich noch mit A+ ausgewiesen war, auf einmal in die Klasse C abgerutscht? Ist der doch nicht so energiesparend, wie gedacht? Doch, ist er. Geändert hat sich nur das EU-Energielabel. Das verwendet seit 1. März 2021 für einige Elektrogeräte wie Monitore eine veränderte Skala – mit neuen Anforderungen. Seit 1. September 2021 gilt das auch für Lampen und Leuchten. Wir erklären euch, warum das nötig wurde und worauf ihr achten solltet.

Warum wurde das Energielabel überarbeitet?

Um die Neuerungen zu verstehen, hilft ein kurzer Blick zurück: Die EU führte das ursprüngliche Energielabel 1994 ein. Käufer:innen sollten dadurch schnell den Energieverbrauch von Elektrogeräten einschätzen und so umweltfreundlichere Kaufentscheidungen treffen können. Es gab die Gruppen A bis G, wobei G die schlechteste war. Zur Veranschaulichung diente eine Ampel-Farbskala von Grün (niedriger Verbrauch) zu Rot (hoher Verbrauch).

Nun sind seit der Einführung des Labels einige Jahrzehnte vergangen. In dieser Zeit produzierten die Hersteller immer bessere und sparsamere Produkte. Was ja gut ist. Zuletzt reichte die Skala faktisch nur noch von A bis D – und ein Großteil der Produkte tummelte sich in der Gruppe A. Alle in der Bestklasse. Zur Unterscheidung führte man die Untergruppen A+, A++ und A+++ ein.

Credit: Annie Spratt | g9KFpAfQ5bc | unsplash

Was sind die Neuerungen?

Um die Abstufungen für die Verbraucher:innen wieder aussagekräftiger zu machen, hat die EU das Energielabel überarbeitet. Die Skala reicht jetzt wieder von A bis G – ohne zusätzliche Pluszeichen. Alles auf Anfang sozusagen. Die verwendete Farbskala bleibt gleich. Neu ist ein QR-Code, über den ihr weitere Produkteigenschaften abruft, die Informationen dazu sind in einer neuen EU-Produktdatenbank hinterlegt. Hier erfahrt ihr etwa, wie viel Energie ein Computermonitor im Stand-by-Modus verbraucht.

Um Monitore zu vergleichen, findet ihr auf dem neuen Label sowieso den Energieverbrauch in Kilowattstunden je 1000 Stunden Nutzung. Außerdem die sichtbare Bildschirmdiagonale und Pixelauflösung. Beachtet aber: Die Messmethoden haben sich geändert, sie berücksichtigen nun die alltägliche Gerätenutzung besser. Darum ist der angegebene Stromverbrauch auf den neuen Labels nicht mit den Angaben auf den alten Etiketten vergleichbar. Außerdem gelten strengere Anforderungen an die Reparierbarkeit von Elektrogeräten.

Warum schafft es kein Produkt in Gruppe A?

Wichtig für euch zu wissen: Laut der neuen Klassifizierung gibt es vorerst keine Geräte in der Gruppe A. Die bleibt leer. Das heißt nicht, dass die heutigen Monitore alle Energieverschwender sind. Es soll lediglich Luft nach oben bleiben, damit Hersteller einen Anreiz haben, noch bessere Produkte zu entwickeln und technologisch nachzurüsten. Die bisherigen Spitzenreiter in Sachen Energieeffizienz findet ihr also aktuell in der Gruppe B. Einige Geräte, die bislang mit A+++ gekennzeichnet waren, rutschen sogar in C, obwohl ihr Energieverbrauch sich nicht geändert hat.

Wenn an eurem neuen EIZO Monitor also ein C ausgewiesen ist, muss euch das nicht abschrecken. Orientiert euch an der Farbskala: Die grüne Farbstaffel, die bisher für A+ bis A+++ vorgesehen war, umfasst nach der Neuskalierung die Gruppen A bis C. Der Dell Curved Monitor bekommt nun ein oranges F, der vorher noch in B eingruppiert war.

EU-Energielabel Infografik Vergleich | Credit: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

Wann wird auf das neue Label umgestellt?

Die Umstellung auf das neue Energielabel erfolgt schrittweise. Seit 1. März 2021 gilt es für Kühl- und Gefriergeräte, Geschirrspüler, Waschmaschinen, Fernseher und Monitore. Seit 1. September gilt die Umstellung auch für Lampen und Leuchten. Hier erreichen die bisherigen Spitzenreiter mit A++ nur noch die Klassen F bis D. Für Leuchtmittel gilt eine Übergangsfrist von 18 Monaten, bis zum 1. März 2023 findet ihr noch beide Energielabel auf dem Markt. Übrigens informiert euch eine Energielabel-App über Neuerungen und gibt Tipps für den Alltag.

Alle anderen kennzeichnungspflichtigen Elektrogeräte folgen ab dem Jahr 2024. Bis 2030 sollen alle Produkte auf das neue Energielabel umgestellt sein. Wer weiß, ob bis dahin schon wieder Plus-Bezeichnungen nötig werden für die Effizienz-Spitzenreiter.

Étienne

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