Internet-Vorfahrt per FRITZ!Box steuern

Wer mehrere Geräte im Homeoffice betreibt, dem fehlt bei datenintensiven Diensten schnell die Brandbreite. Damit die wichtige Videokonferenz trotzdem funktioniert, lässt sich mit ein paar Griffen nachhelfen.

Wenn sich die Familie am Abend zwischen Video-Stream, Online-Gaming und später Arbeit im Homeoffice an den digitalen Geräten verteilt, kann es schnell zu Engpässen bei der Internet-Verbindung kommen. Doch während der Videodienst einfach ein paar Sekunden länger buffert und das nächste Level im Spiel einfach etwas länger lädt, kann die Videokonferenz schnell zur Tortur werden. Spätestens wenn der Ton ständig aussetzt, nervt das Meeting nur noch. Zeit, den Verkehr im Heimnetzwerk zu regeln. Mit einer AVM FRITZ!Box sind dafür bereits alle Werkzeuge vorhanden.

Geräte priorisieren

Damit der Arbeitsrechner möglichst störungsfrei läuft, erteilt ihr diesem am besten die höchste Priorität. Dabei spielt es keine Rolle, ob ihr im WLAN oder per LAN verbunden seid. Wer aber die Möglichkeit hat, zwischen Rechner und Router ein LAN-Kabel zu ziehen, sollte die kabelgebundene Verbindung bevorzugen! Dadurch seid ihr weniger anfällig gegenüber WLAN-Störungen, die vor allem bei hoher WLAN-Dichte schnell auftreten.

Tipp: Mit einem AVM FRITZ!Powerline 1260E Set legt ihr eine LAN-Buchse, und bei Bedarf das WLAN, an genau den Ort in der Wohnung, wo ihr sie braucht. Einzige Voraussetzung sind zwei freie Steckdosen.

Grafik: AVM FRITZ powerline 1260E | AVM

Doch zurück zur Priorisierung. Meldet euch zunächst bei eurer FRITZ!Box an. Gebt dazu im Browser einfach fritz.box ein und drückt Enter. Alternativ verwendet ihr die IP-Adresse der FRITZ!Box. Dazu einfach mit gedrückter option-Taste (alt-Taste) auf das WLAN-Symbol klicken und diese unter Router ablesen. Die Standard-IP der meisten FRITZ!Boxen lautet http://192.168.178.1. Notiert euch bei der Gelegenheit gleich eure eigene IP-Adresse.

Gebt das Passwort der FRITZ!Box ein (der Standard-Zugang steht auf einem Aufkleber unter der Box) und klickt links auf Heimnetz und Netzwerk. Sucht jetzt in der Liste euren Rechner. Entweder anhand des Namens oder, wenn nicht aussagekräftige Namen wie „PC-A1-B2-D3-E4-F5“ erscheinen, mithilfe der soeben notierten IP-Adresse. Öffnet rechts über das Stift-Symbol die Einstellungen des Netzwerkgeräts. Etwas weiter unten setzt ihr bei Zugangs-Eigenschaften und Priorisierung den Haken bei Dieses Gerät priorisieren. Ob es geklappt hat, erkennt ihr an dem Vermerk „Echtzeitpriorisiert“ nach dem Speichern.

Grafik: Echtzeitpriorisierung | Schreenshot | Montage

Dienste priorisieren

Verwenden mehrere Rechner gleichzeitig euer Netzwerk, bringt es nichts, allen Rechnern Vorfahrt einzuräumen. Wie auf einer Kreuzung, wo alle Ampeln auf Grün stehen, kommt es dann nämlich trotzdem zum Stau. Allerdings lassen sich im Menü Internet und Filter im Reiter Priorisierung auch bestimmte Anwendungen priorisieren. Beispielsweise erstellt ihr unter Echtzeitanwendungen eine Neue Regel für Alle Geräte und die Kategorie FaceTime. Damit sorgt ihr dafür, dass Apples Videoanrufdienst gegenüber anderen Anwendungen bevorzugt wird.

Grafik: FaceTime priorisieren | Screenshot | Montage

Andere, nicht in der Liste aufgeführte Dienste müsst ihr im Reiter Listen unter Netzwerkanwendungen und Netzwerkanwendung hinzufügen erstellen. Gebt einen Namen ein und klickt auf Neues Protokoll unten rechts. Jetzt braucht ihr die Ports, die Anbieter auf ihren Hilfe-Seiten preisgeben. Um beispielsweise Zoom Priorität zu geben, ruft ihr die Hilfe-Seite „ Netzwerk-Firewall- oder Proxyserver-Einstellungen für Zoom“ auf und springt zum Abschnitt „Firewall-Regeln für Zoom“. Hier findet ihr eine ganze Liste an Einträgen, die ihr so in eure FRITZ!Box übertragen müsst. Den ersten Eintrag „TCP 80, 443“ ignoriert ihr direkt, da diese Ports für HTTP und HTTPS verwendet werden – Standard-Ports, die fast jede Anwendung nutzt. Hier würdet ihr sonst das Problem „Grün für Alle“ erneut erstellen. Die anderen Einträge fasst ihr zusammen:

  • Protokoll: TCP, Quellport: beliebig, Zielport: Port 8801 bis 8802

  • Protokoll: UDP, Quellport: beliebig, Zielport: Port 3478 bis 3479

  • Protokoll: UDP, Quellport: beliebig, Zielport: Port 8801 bis 8810

Grafik: Zoom-Ports FRITZ!Box | Screenshot

Jetzt müsst ihr nur noch unter Priorisierte Anwendungen für Alle Geräte den soeben erstellen Eintrag Zoom wählen und speichern.

Geräte komplett sperren

In den Geräteeigenschaften unter Heimnetz und Netzwerk lassen sich Geräte im Notfall auch komplett vom Internetverkehr ausschließen. Etwas weniger drastisch, dafür aber kontrollierter arbeitet ihr mit Zugangsprofilen. Diese erlauben die Internetverbindung pro Gerät mit Zeitbeschränkung, Zeitbudget und Filter. Dazu erstellt ihr ein Profil nach eurem Wunsch zuerst unter Internet und Filter im Reiter Zugangsprofile. Sobald das Profil steht, weist ihr dieses einem oder mehreren Geräten unter Heimnetz und Netzwerk im Bearbeiten-Modus unter Zugangs-Eigenschaften zu.

Grafik: Zugangsprofile in FRITZ!OS | Screeshot | Montage

Étienne

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