iOS 10 für iPhone und iPad glänzt vor allem durch neue, praktische Funktionen an der Oberfläche. So wird iMessage zum Kommunikationstalent und Siri macht den Mac zur schlauen Assistentin. Zusätzlich enthalten iOS und macOS auch einige spannende Features, von denen wir auf den ersten Blick noch gar nichts mitbekommen haben. Ein Blick unter die Motorhaube verrät von den großen Fortschritten, die durch kleine Neuerungen erlangt wurden.

APFS: das Dateisystem der Zukunft

Was bei Windows NTFS und bei Linux ext3 ist, nennt sich bei OS X aktuell Hierarchical File System Plus, kurz HFS+. Das Dateisystem bildet die Schnittstelle zwischen Betriebssystem und Speichermedium, wie Festplatten, SSDs oder USB-Sticks. Apples HFS und der Nachfolger HFS+ stammen noch aus Zeiten, in denen rotierende Festplatten mit wenigen Gigabyte Standard waren. Neue Funktionen, wie Verschlüsselung, wurden in den darauffolgenden Jahren immer wieder hinzugefügt. Auch iOS, watchOS und tvOS laufen mit Varianten des in die Jahre gekommenen HFS+. Im kommenden Jahr will Apple den alten, nicht mehr zeitgemäßen Standard mit dem Apple File System, kurz APFS, ablösen.

APFS

Eine der größten Neuerungen dürfte dessen gesteigerte Leistung sein. Größere Festplatten erkennt macOS deutlich schneller und Daten, die gerade in Verwendung sind, werden mit Priorität behandelt. Ein offenes Word-Dokument sowie alle zu Word gehörenden Daten kommen quasi auf die Überholspur, während Prozesse im Hintergrund auf der Nebenstraße unterwegs sind. Der Strandball des Todes, die Mac-Nutzer den sich drehenden Ball zur Überbrückung von Wartezeit nennen, tritt so hoffentlich deutlich seltener auf. Zudem ist APFS auf die Struktur von Flash-Laufwerken zugeschnitten.

Erhöhte Sicherheit gegen Datenverlust ermöglichen sogenannte Snapshots – identische Abbilder des Systems, die extern gespeichert und bei einem Systemcrash auf Knopfdruck wieder eingespielt werden können. Durch Checksums kann macOS prüfen, ob Systemdateien manipuliert wurden und diese, wenn notwendig, aus einem Snapshot wiederherstellen. Um den Rechner vor fremden Zugriff zu schützen, ist zudem eine Hardware-Verschlüsselung integriert. Wird das System zurückgesetzt, geht auch der benötigte Schlüssel verloren. Selbst wenn Dateien im Speicher zurückbleiben, sind diese nicht mehr lesbar. Das Feature ist nicht nur wichtig, um den Inhalt des Rechners bei Diebstahl zu sichern, sondern auch, um den Verkauf eines Macs zu erleichtern.

Zu guter Letzt wird APFS die Handhabung vereinfachen. Zumindest für alle, die mit mehreren Partitionen arbeiten. APFS packt einzelne Partitionen in einen sogenannten Container. Innerhalb dieses Containers können Partitionen unabhängig voneinander vergrößert, verkleinert oder verschoben werden. Bei HFS+ war das aufgrund der Reservierung aufeinander folgender Blöcke nicht möglich.

In macOS Sierra wird APFS noch nicht komplett zum Einsatz kommen, da die Fertigstellung erst für 2017 geplant ist. Allerdings enthält das Betriebssystem bereits eine Möglichkeit, externe Festplatten mit APFS zu formatieren. Vermutlich will Apple so bis zur Veröffentlichung des Nachfolgers im Herbst 2017 ausreichend Erfahrungen sammeln.

Wie Apple eure Privatsphäre mit „Differential Privacy“ schützt

Ein weiteres spannendes Feature, das Apples Software-Chef Craig Federighi nur in wenigen Sätzen erwähnte, ist Differential Privacy. Generell ist damit gemeint, dass einer Datenbank die Möglichkeit entzogen wird, Rückschlüsse auf eine bestimmte Person zu ziehen. Das klappt entweder durch das Entfernen aller personenbezogenen Daten oder durch Hinzufügen von Zufallswerten. Dadurch können Forscher oder künstliche Intelligenzen die Daten problemlos analysieren und Rückschlüsse in Form von Vorschlägen liefern. Die Zufallsdaten fügt iOS nochbevor die Daten an Apples Server übermittelt werden auf dem iPhone hinzu. Wer Apple nicht vertraut, kann der Datenübermittlung seine Zustimmung verwehren.

Differential

Im Gegensatz zu Google oder Facebook, die Daten und Erkenntnisse an Werbepartner verkaufen, verwendet Apple die Ergebnisse nur selbst. Beispielsweise lernt die Tastatur QuickType, welche Wörter häufig auf ein bestimmtes Wort folgen und schlägt diese automatisch vor. Spotlight profitiert von solch einer Datenbank, um bessere Apps vorzuschlagen. Auch die Autokorrektur und macOS Sierra werden durch Analyse-Verfahren weniger fehleranfällig.

Wieso ihr mit macOS Sierra mehr Speicherplatz habt

Mit 128 Gigabyte SSD-Speicher, wie Apple diese in den Einsteigermodellen des MacBook Air und MacBook Pro verkauft, ist Speicherplatz ein kostbares Gut. iTunes in der Cloud, Apple Music und der iCloud Fotomediathek helfen zum Glück, Speicherplatz zu sparen. macOS Sierra geht noch einen Schritt weiter: Im Menü „Über diesen Mac“, im Reiter „Fesplatten“ zeigt euch auch OS X El Capitan, wie viel Platz durch Backups, Audio, Fotos, Programme, Filme oder sonstiges in Beschlag genommen wird. In Sierra kommt in der Festplatten-Übersicht eine neue „Verwalten“-Taste hinzu, die mehrere Möglichkeiten zum Speichersparen bietet. iCloud sichert beispielsweise nur zuletzt geöffnete Dateien auf dem Mac und belässt alle anderen Dateien in der Cloud. Gleichzeitig löscht iTunes automatisch heruntergeladene, aber noch online verfügbare Filme und Serien, wenn ihr diese schon gesehen habt. Eine neue Dateiansicht zeigt euch zudem den Speicherverbrauch von Ordnern, damit ihr schnell Platzfresser findet. Ausgenommen von diesem Vorgehen sind Programme. Für diese hat die neue Speicherplatz-Optimierung eine eigene Ansicht.

Speicher sparen

Derzeit befindet sich macOS Sierra in einer geschlossenen Beta-Phase. Nur zahlenden Entwicklern ist es erlaubt, das System zu testen. Im Juli will Apple aber auch eine öffentliche Vorabversion zum Download anbieten. Apple plant den El-Capitan-Nachfolger im Herbst dieses Jahres als kostenloses Update für alle iMacs und MacBooks ab 2009 sowie das MacBook Air, MacBook Pro, Mac mini und Mac Pro ab 2010 im App Store zu veröffentlichen.