„Steve Jobs wäre stolz auf uns.“ Mit diesen Worten eröffnete und schloss Tim Cook am 12. September 2017 die Apple Keynote, auf der es erstmals seit langem wieder ein „One more thing…“ gab: Das iPhone X. Daneben wurden Apple TV 4K, die neue Watch Series 3 und das iPhone 8 präsentiert.

Es war eine bewegende Keynote, eine auf der es immer wieder revolutionäre Features zu sehen gab. Und eine, in der immer wieder an den verstorbenen Apple-Gründer und -Retter Steve Jobs gedacht wurde. Die Keynote fand erstmals im neu erbauten Steve-Jobs-Theater statt. Damit eröffnete Apple das erste Gebäude seines neuen Gebäude-Ensembles: den Apple Campus. Aus einer ehemaligen „Asphaltwüste“ wurde ein 71 Hektar großer Park mit 9.000 Bäumen. Eine der größten Solaranlagen der Welt versorgt den Campus mit 100 Prozent erneuerbarer Energie. In den kommenden Wochen will Apple das Besucherzentrum eröffnen, wo Apple-Fans unter anderem den Campus in virtueller Realität erkunden können. Denn die war auf der heutigen Keynote mit eines der wichtigsten Themen. Software- und Hardware-Entwicklung, so Phil Schiller gingen dabei eine enge Verbindung in den letzten Monaten und Jahren ein. „Das gibt es nur bei Apple“, so sein Resümee. Alle Mobilgeräte Apples profitieren davon.

Standalone Telefon: Apple Watch Series 3

Zunächst zeigte Apple die Weiterentwicklung seiner Apple Watch. Mit deren dritter Version bringt Apple über eine integrierte SIM-Karte endlich Mobilfunk direkt ans Handgelenk. Die Apple Watch koppelt sich damit komplett vom iPhone ab. In vorläufig exklusiver Kooperation mit der Deutschen Telekom können Kunden mit ihrer bestehenden Handynummer ohne iPhone über die Apple Watch telefonieren, navigieren, Musik streamen und andere Apps verwenden.

 

 

Der neue W2-Prozessor ermöglicht schnelleres WLAN und Bluetooth, benötigt aber gleichzeitig weniger Energie als der W1. In Zusammenarbeit mit dem neuen, 70 Prozent schnelleren Prozessor kann Siri jetzt auch Sprach-Feedback geben. Zwar bleibt die Apple Watch der Series 3 optisch unverändert, doch für echte Fans bietet Apple künftig eine schwarze Version der Keramik-Variante an. Vorbestellungen nimmt Apple ab dem 15. September 2017 entgegen, die Auslieferung soll am 22. September erfolgen. Ohne Mobilfunkanbindung ist die Apple Watch ab 369 Euro erhältlich, die Cellular-Version kostet ab 449 Euro. watchOS 4 wird am 19. September als kostenloses Update für alle Apple-Watch-Generationen veröffentlicht.

 

 

4K-Fernsehen per iPad: Apple TV 4K

 

Die zweite Neuvorstellung war das Apple TV 4K. Nun wird Apples Set-Top-Box endlich erwachsen, denn die bisher mit 1080p auflösende Box kann künftig Inhalte in 4K und in HDR an den Fernseher ausgeben. Praktisch: Wer iTunes-Filme gekauft hat, kann sich über kostenlose Upgrades auf die höhere Auflösung und bessere Farben freuen. Die durch den in der neuen Version verbauten A10X Fusion Prozessor um 400 Prozent gesteigerte Grafikleistung ermöglicht aber auch bessere Spiele. Außerdem will Apple zum Ende des Jahres die bisherige Filme-App durch die TV-App ersetzen. Als Kooperationspartner stehen derzeit unter anderem Sky Ticket, Mubi und TV now zur Verfügung. Die Vorbestellungen starten bei 199 Euro für die 32 GB-Version und 219 Euro für die Variante mit 64 GB am 15. September 2017, die Auslieferung erfolgt am 22. September 2017.

 

 

Mal ohne s: iPhone 8 und iPhone 8 Plus

 

Der mobile Hardware-Reigen wäre nicht komplett, wenn nicht auch das iPhone erneuert werden würde. Doch diesmal übersprang Apple das erste Mal in der iPhone-Geschichte die „s“-Generation zugunsten des iPhone 8. Und tatsächlich hat sich das neue iPhone auch optisch stärker als bei den bisherigen Versionssprüngen verändert: Statt Metall setzt Apple auf der Rückseite wieder auf Glas – das iPhone 4 lässt grüßen. Angst um gerissene und gesprungene Display, liebevoll auch „Spinnennetz-App“ genannt, muss man sich aber nicht machen: Das um 50 Prozent härtere Glas ist laut Apple „das langlebigste Glas jemals“. Das mit Aluminium aus der Flugzeugindustrie kombinierte Gehäuse kommt im klassischen Silber, Spacegrau sowie einem neuen Goldton auf den Markt.

 

 

Beim Display hat Apple die aktuelle iPad-Technologie adaptiert, mit erweitertem Farbraum und True Tone, das Farben und Kontraste an das Umgebungslicht anpasst. Um Filme besser genießen zu können sind außerdem die Lautsprecher laut Apple 25 Prozent lauter und liefern mehr Bass. Spiele und Apps werden von einem Apple A11 Bionic Prozessor angetrieben – der „leistungsstärkste und intelligenteste Chip“ jemals mit sechs CPU-Kernen – zwei für Leistung und vier für Effizienz.

 

 

Ein Highlight des neuen iPhones ist wieder einmal die Kamera: Durch den neuen Bildprozessor fokussiert diese schneller und sorgt für bessere Bilder. Laut Apple sondiert die Kamera schon beim Draufhalten auf ein Motiv dieses und stellt die Schärfe ein. Die 12-Megapixel-Sensoren fangen außerdem mehr Licht ein, um auch in dunkler Umgebung tolle Resultate zu liefern. Ein Feature bleibt aufgrund der doppelten Kamera dem iPhnone 8 Plus vorbehalten: Studiolicht. Dabei analysiert die Kamera zusammen mit dem A11-Chip das Objekt und ermöglicht kreative Lichteinstellungen. Beispielsweise lässt sich der gesamte Hintergrund ausschwärzen.

 

 

Außerdem ist Apple mit dem iPhone 8 und iPhone 8 Plus endlich im drahtlosen Zeitalter angekommen: Statt wie bisher das Lightning-Kabel anschließen zu müssen, genügt es jetzt, das iPhone auf eine drahtlose Qi-Ladestation zu legen. Hinter Qi (gesprochen: Tschi) verbirgt sich keine Apple-Technik, sondern ein Industriestandard zur drahtlosen Energieübertragung. Mit den passenden Geräten, die zum Marktstart des neuen iPhone von unter anderem von Belkin und Mophie erhältlich sein werden, wird es künftig möglich, das iPhone einfach im Hotel oder im Café auf eine Ladematte zu legen, um neben Ruhe oder Kaffee auch Strom zu tanken. Das neue iPhone 8 und 8 Plus kann ab dem 15. September 2017 vorbestellt werden. Das iPhone 8 ist mit 64 Gigabyte ab 799 Euro erhältlich, für das iPhone 8 Plus verlangt Apple ab 909 Euro. Günstiger wird es natürlich mit Vertragsbindung. Die Auslieferung erfolgt ab dem 22. September 2017. iOS 11 für das iPhone 6 und neuer ist ab dem 19. September als kostenloser Download erhältlich.

 

 

One More Thing: iPhone X

Zehn Jahre ist es inzwischen her, dass Apple das iPhone vorstellte und damit den Mobiltelefon-Markt revolutionierte. Dieses Jubiläum feierte man heute in Cupertino mit der Vorstellung des „One more thing…“ – „ein Wort, mit dem wir nicht leichtfertig umgehen“, wie Tim Cook den Zuschauern vergewisserte. Das iPhone X – mit der lateinischen Ziffer 10 als „iPhone zehn“ oder „iPhone ten“ ausgesprochen – will Apple ein neues Smartphone-Zeitalter einläuten: Randlos, ohne Home-Taste und bis an den Rand vollgepackt mit neuen Funktionen hat das iPhone X tatsächlich das Zeug dazu.

 

 

Mit 2.436 x 1.125 Bildpunkten auf 5,9 Zoll liefert das in Edelstahl eingebettete Super Retina Display mit 458 Bildpunkten pro Zoll die höchste Auflösung, die es je in einem Smartphone gab. Außerdem vollzieht Apple im iPhone X endlich den Wechsel auf die neue OLED-Technologie, mit der die Nachteile der bisherigen OLED-Technologie endlich ausgemerzt wurden. Ihr größter Vorteil ist der geringe Stromverbrauch. Wie schon das Apple TV 4K kann auch das iPhone X HDR-Inhalte in Dolby Vision darstellen. Und das mit einem knackigen Kontrastverhältnis von eins zu einer Million.

 

Das OLED-Display ermöglicht aber auch ganz praktische Funktionen: Aufgrund der fehlenden Home-Taste zum Entsperren genügt es, das iPhone wie gewohnt anzuheben oder den Bildschirm kurz zu berühren. Siri hört wie bisher auf „Hey Siri“-Zuruf oder kann durch drücken der Seitentaste aktiviert werden. Um Apps zu verlassen, muss beim iPhone X vom unteren Displayrand nach oben, für den Wechsel zwischen Apps von links nach rechts gewischt werden.

 

Doch das wichtigste Feature lautet Face ID. Vollgespickt mit einer ganzen Range neuer Sensoren in der Kamera erkennt das iPhone X statt des Fingerabdrucks das Gesicht seines Besitzers – unabhängig von Licht, Kleidung oder sich verändernden Merkmalen wie Bartwuchs oder Frisur. Möglich macht dies das Herz und Gehirn der neuen iPhone-Generation, der A11-Prozessor mit Bionic Engine. Dieser lernt bei Benutzung über das sogenannte „Maschinelle Lernen“ die Gesichtszüge zu unterscheiden – und macht das iPhone damit intelligent. War bei Touch ID noch ein Zufallstreffer von 1:50.000 möglich, steigt diese Wahrscheinlichkeit bei Face ID auf eins zu einer Millionen. Es müsste also schon ein „böser Zwilling daherkommen“, wie Apples Marketing-Chef Phil Schiller scherzte, um das iPhone zu knacken.

 

Die Sensoren zur Gesichtserkennung ermöglichen aber auch noch ganz andere, coole neue Funktionen. Da ist zum einen Animoji – eine animierte Form der beliebten Emojis. Einige, darunter die Katze, das Schwein, das Einhorn oder auch der Hund können verwendet werden, um die eigenen Gesichtszüge in einen Sticker oder eine Animation zu übertragen und damit Sprachnachrichten 2.0 zu erschaffen. Denn die eigene Mimik überträgt sich auf die Animojis. Die Gesichtserkennung als Teil von AR-Kit steht aber auch anderen App-Entwicklern wie beispielsweise Snapchat offen, die das Konterfei des Benutzer noch viel präziser mit Masken schmücken können. Auch die FaceTime-Kamera auf der Vorderseite kann auf dem iPhone X für den Porträt- und Studiolicht-Modus verwendet werden. Die Zeit der schlechten Selfies liegt damit wohl endgültig hinter uns.

 

 

AirPower

Wie das iPhone 8 und iPhone 8 Plus verfügt auch das iPhone X über einen integrierten Stromempfänger nach dem Qi-Standard. Zwar können iPhones damit auch auf Ladematten von Drittherstellern gelegt werden, im kommenden Jahr will Apple aber eine eigene Version in den Handel bringen: AirPower. Die ovale Ladematte ermöglicht es nicht nur, das iPhone durch einfaches Auflegen zu laden, sondern bietet auch Platz für die Apple Watch sowie die AirPods, die künftig in einer neuen Hülle erhältlich sein werden, die drahtloses Aufladen unterstützt. Vorbestellungen für das iPhone X nimmt Apple ab dem 27. Oktober 2017 entgegen, die Auslieferung erfolgt für 1.149 Euro (64 GB) und 1.319 Euro (256 GB) ab dem 3. November 2017.