Musik auf CD? Das war einmal. Heute kommt die Musik per Stream ins Haus. Doch es gibt Unterschiede bei den Angeboten.

Musik einschalten – und entspannen. Es gibt kaum schönere Möglichkeiten, den Alltag zu vergessen als mit dem persönlichem Lieblings-Titel oder -Album. Während das früher bedeutete, die richtige CD aus dem Regal zu ziehen und einzulegen, genügt es heute, zwei, dreimal mit dem Finger auf das Smartphone-Display zu tippen. Noch einfacher geht’s mit einem smarten Lautsprecher, dem ihr beim nach Hause kommen einfach euren Musikwunsch zuruft. Einem HomePod befehlen Besitzer einfach „Hey Siri, spiele meinen Chill-Mix!“. Eigentümer eines Sonos Beam oder Sonos One bitten mit „Hey Alexa, spiele meinen Chill-Mix“ Amazons Assistentin, ihre Wohlfühl-Tracks von Amazon Music, Deezer oder Spotify zu spielen. Googles Lautsprecher Home unterstützt neben dem hauseigenen Dienst Google Play Music ebenfalls Spotify und Deezer.

Nicht alle Lautsprecher sind mit jedem Streaming-Anbieter kompatibel. Eine App fürs iPhone bieten aber alle an. Auch mit Blick auf den Musikkatalog gibt es kaum Unterschiede. Schätzungen zufolge bietet Spotify mehr als 30 Millionen Tracks, Apple und Google kommen auf etwa 40 Millionen, Deezer und Amazon sprechen von mehr als 50 Millionen Songs. Hinzu kommen jeweils exklusive Veröffentlichungen.

Der Preis

Beim Abschluss eines Abos zählt auf den ersten Blick der Preis. Der Standard liegt hier bei allen bei 9,99 Euro monatlich. Wer einmal im Jahr 99 Euro zahlt, bei dem reduziert sich der Beitrag bei Apple und Deezer rechnerisch auf 8,33 Euro im Monat. Amazon-Prime-Kunden erhalten zwei Euro Rabatt, im Jahresabo kostet Prime Music mit Prime-Abo noch 79 Euro. Wer an einer (Hoch-)Schule eingeschrieben ist, bekommt Apple Music, Spotify Premium oder Deezer für 4,99 Euro im Monat. Ein Familienabo für bis zu sechs Teilnehmer bekommt ihr bei allen Anbietern für 14,99 Euro im Monat.

Der Ton

Zuerst die gute Nachricht: die Wiedergabequalität ist bei allen Diensten mehr als ausreichend, wenn Musik nur im Hintergrund spielen soll. Deezer und Google streamen ihre Titel mit 320 kbit/s im MP3-Format, Amazon mit 256 kbit/s. Spotify liefert ebenfalls 320 kbit/s, jedoch im verlustfreien Ogg-Vobis-Format. Auch Apple streamt mit AAC verlustfrei, jedoch nur mit 256 kbit/s. Echtes HiFi, das sich vor allem bei Klassik-Aufnahmen lohnt, kann ausschließlich Deezer: Für den doppelten Monatspreis streamt ihr Musik mit 16bit/44,1 kHz FLAC in CD-Qualität auf die HiFi-Anlage.

Die Bedienung

Im gesperrten Zustand ruft ihr derzeit nur Apple Music mit „Hey Siri!“ euren Musikwunsch zu. Amazon und Google haben ihre eigene Sprachsteuerung integriert, allerdings müsst ihr dazu die App öffnen und das Mikrofon-Symbol antippen. Aber: Titel überspringen und die Lautstärke steuern, könnt ihr mit Siri auch bei anderen Apps als Apple Music.

Vom iPhone schickt ihr Musik über den Lightning-Anschluss, Klinkenkabel, AirPlay oder Bluetooth an externe Lautsprecher. Das klappt mit allen Apps. Unterstützt ein Lautsprecher aber explizit einen bestimmten Musikdienst, wird aus dem Smartphone eine Fernbedienung. Beispielsweise startet ihr eure Lieblingsplaylist in Spotify am iPhone und wählt als Empfänger einen Sonos One. Anschließend könnt ihr die App auf dem iPhone schließen und beispielsweise ein Telefonat führen, da Spotify direkt aus der Cloud an den Lautsprecher streamt. Bei der Verwendung von Lighting, Klinke oder Bluetooth ist diese Trennung nicht möglich. Die Ausnahme: AirPlay 2. Den neuen Standard unterstützen bisher aber nur wenige Lautsprecher, darunter der HomePod, Sonos One und Sonos Beam.

Der persönliche Mix

Nicht alle Künstler, Alben oder Titel sind in Streaming-Diensten enthalten. Auch persönliche Mitschnitte von Konzerten oder Privataufnahmen fehlen natürlich. Dennoch lassen sich diese Tracks mit der eigenen Bibliothek kombinieren. Wer seine Titel in iTunes importiert, kann bis zu 100.000 Titel in die iCloud-Musikmediathek hochladen. Dadurch sind unter iOS alle Titel – eigene und über Apple Music hinzugefügte – an einem Ort. Google handhabt ein ähnliches Modell und erlaubt über die Desktop-Anwendung Music Play Manager den Upload von bis zu 50.000 Titeln. Amazon-Kunden dürften über die App am PC und Mac sogar bis zu 250.000 Titel in die Cloud hochladen und über die iOS App abrufen. Ziemlich praktisch: Beide Anwendungen greifen auf die iTunes-Bibliothek zu und laden neben Alben und Titeln auch Wiedergabelisten hoch. Deezers Upload-Limit liegt bei 2.000 Titeln, bei Spotify fehlt die Upload-Möglichkeit komplett.

Das Fazit

Was der beste Dienst für dich ist, hängt davon ab, wie du ihn verwenden willst. Eine klare Empfehlung gibt es für HiFi-Enthusiasten: Nur Deezer stellt gegen Aufpreis CD-Qualität zur Verfügung, alle anderen Dienste streamen mit normaler Qualität. Wer auch die eigenen Titel unterwegs hören möchte, sollte einen Bogen um Spotify machen und die Upload-Funktion von Google, Amazon und Apple verwenden, wobei Amazon den meisten Speicher bietet und sich bei besonders großen Bibliotheken lohnt. Für Google spricht die enge Verzahnung mit anderen Google-Produkten, allen voran Android-Smartphones und Googles Lautsprechern. Wer aber mit einem iPhone, iPad oder Mac im Apple-Universum unterwegs ist, bekommt mit Apple Music einen maßgeschneiderten Dienst. Größter Vorteil ist die Integration in iTunes. Statt verschiedenen Speicherorten befindet sich alles in einer Mediathek, die über iCloud auf allen Geräten synchron gehalten wird. Zudem funktioniert die Sprachsteuerung über Siri nur mit Apple Music.

Gut zu wissen: Apple Music könnt ihr bis zu drei Monate kostenlos testen. Bei Amazon, Google und Spotify sind immerhin 30 Tage inklusive. Deezer lässt euch 15 Tage Probehören.