Frisch gekauft, ausgepackt und in Betrieb genommen fühlt sich jeder Rechner an wie auf der Überholspur. Nach ein paar Wochen im Einsatz lässt die Geschwindigkeit aber oft merklich nach. Die Ursachen sind vielfältig, meist ist es allerdings der Festplatten-Speicher, der den Bedürfnissen nicht mehr gerecht werden kann. Mit dem richtigen Speicher-Upgrade ist der Mac binnen kürzester Zeit wieder in Höchstform.

Für Mac-Anwender hat das Grauen viele Namen: Murmel des Untergangs, drehender Strandball des Todes oder einfach der bunte Volleyball. Gemeint ist in allen Fällen das Gleiche: Die bunte, sich drehende Scheibe, mit der OS X uns Einhalt gebietet, bis eine Berechnung im Hintergrund abgeschlossen ist. Wie lange diese dauert, ist abhängig davon, wie anspruchsvoll die Aufgabe im Verhältnis zur Rechenleistung des Macs ist. Die Rechenleistung ist grob gesagt wiederum abhängig von der Prozessorleistung, Grafikleistung, Arbeitsspeicher und nicht zuletzt der Geschwindigkeit der Festplatte.

Leistung mit Software-Tricks optimieren
Bevor ihr euch auf den Weg macht, neuen Speicher für euren Mac zu besorgen, lohnt es sich mit Bordmitteln zu versuchen, den lahmenden Mac wieder flott zu machen. Der erste Schritt: Daten ausmisten. Eine volle Festplatte bremst euren Rechner nämlich gleich doppelt. Zum einen dauert es länger, bis OS X neue, freie Speicherblöcke findet. Zum anderen benötigt die integrierte Suchfunktion Spotlight mehr Zeit, gespeicherte Daten zu erfassen. Besonders Rechner mit herkömmlicher Festplatte anstelle einer SSD profitieren deshalb vom Ausmisten. Eines unserer Lieblingswerkzeuge zur Erfassung von Datenfressern ist GrandPerspective. Bevor ihr aber loslegt, müsst ihr euren Rechner beziehungsweise die interne Festplatte in der Seitenleiste im Finder sichtbar machen. Klickt euch dazu einfach in die Finder-Einstellungen und aktiviert im Reiter Sidebar unter Geräte euren Mac. Beim ersten Start von GrandPerspective könnt ihr nun links euren Mac und anschließend die eingebaute Festplatte auswählen. Letzter Schritt: Unten rechts auf Scan klicken. Nach kurzer Zeit wird eure Festplatte als buntes Mosaik dargestellt. Je größer die Fläche, desto größer die Datei, die sich dahinter verbirgt. Wenn ihr die Fläche anklickt, aktiviert sich die Schaltfläche Reveal oben im Menü, die euch wiederum mit einem Klick direkt in den Ordner der Daten versetzt aus dem ihr diese wie gewohnt löschen könnt. Seid aber vorsichtig beim Löschen! Dateien, die sich im Ordner „System“ befinden, solltet ihr, wenn ihr euch mit dem System-Ordner nicht auskennt, KEINESFALLS entfernen!

GrandPerspektive

Eine weitere Ursache für einen lahmenden Mac ist ein forderndes Betriebssystem. So sorgt OS X 10.9 „Mavericks“ bei einigen Rechnern aufgrund des komprimierten Arbeitsspeichers regelmäßig für Wartezeit. Besonders Macs mit herkömmlicher Festplatte statt SSD betrifft dieses Problem. In den Systemeinstellungen ist die Deaktivierung der Funktion zwar nicht möglich, dafür mit einer einfachen Zeile in der Terminal-App:
sudo nvram boot-args=„vm_compressor=1“
Nach einem Neustart ist die Komprimierung deaktiviert und euer Rechner hoffentlich ein wenig schneller.

Komprimierter Arbeitsspeicher

Arbeitsspeicher aufrüsten
Der Nachteil des deaktivierten komprimierten Arbeitsspeichers ist, dass euch weniger Arbeitsspeicher zur Verfügung steht. Der schnelle Wechsel zwischen Programmen wird so unter Umständen trotzdem zur Geduldsprobe. Selbst das aktuelle OS X Yosemite benötigt laut Apple nur 2 GB Arbeitsspeicher, im Alltag sollten es aber mindestens 4GB sein. Bei älteren Macs ist das Arbeitsspeicher-Upgrade kein Problem, schon gar nicht, wenn ihr mit der richtigen Anleitung von ifixit.com zu Werk geht. Den Arbeitsspeicher für euren Mac Pro, iMac, Mac mini und MacBook Pro bekommt ihr selbst für ältere Modelle einzeln bei uns in den GRAVIS-Filialen. Doch Vorsicht: Ein falscher Griff und euer MacBook ist ein Fall für die Werkstatt. Deutlich günstiger ist in diesem Fall das Upgrade von Profis, wie unseren Kollegen aus der Technik-Abteilung.

Walter Galan, Creative Commons BY-NC-SA
Walter Galan, Creative Commons BY-NC-SA

Die Retina-MacBooks, das MacBook Air, der aktuelle Mac mini und der günstige iMac werden von Apple übrigens mit fest verlötetem Arbeitsspeicher ausgeliefert. Falls bei euch ein Neukauf bevorsteht, macht euch Gedanken, ob ihr nicht lieber gleich eine Konfiguration mit mehr Arbeitsspeicher kauft, da ein nachträgliches Update nicht mehr funktioniert.

Das beste Upgrade: Von HDD auf SSD
Bei einem drehenden Warteanzeiger denkt man schnell an den Kauf eines neuen, schnelleren Rechners mit noch höher getaktetem Prozessor. Doch wie schon beschrieben sorgt auch eine langsame Festplatte für Zwangspausen am Rechner – öfter noch als knapper Arbeitsspeicher. Für Eigentümer eines älteren Macs gibt es aus diesem Grund kein besseres Upgrade als der Tausch der internen Festplatte durch eine Flash-basierte SSD. Apple verbaut diesen Typ Speicher bereits im MacBook Air und MacBook Pro mit Retina Display, wenn auch in etwas anderer Bauform.

SSDs sind gleich in mehreren Hinsichten vorteilhafter als HDDs mit sich drehenden Magnetscheiben. Zum einen verbrauchen SSDs weniger Strom und ermöglichen dadurch eine Verlängerung der Akkulaufzeit. Da es keine mechanischen Teile gibt, sind SSDs zudem gegen Stöße fast immun. Der größte Vorteil ist jedoch die deutlich erhöhte Schreib- und Lesegeschwindigkeit. Aktuelle SSDs schreiben und lesen Daten mit mehr als 500 Megabit pro Sekunde. Dadurch kann nicht nur das System im Hintergrund schneller arbeiten, sondern geschieht auch das Öffnen von Programmen binnen weniger Sekunden. Ihr werdet staunen, welchen Unterschied das zum Beispiel bei Word oder InDesign macht!

SSDs

Nicht vergessen: TRIM einschalten
Worauf ihr bei einem Upgrade mit einer SSD unbedingt achten solltet, ist die nachträgliche Aktivierung des TRIM-Supports. Ist diese Funktion aktiv, wird in einem Index vermerkt, welche Speicherblöcke später wieder mit neuen Daten beschrieben werden dürfen. Bei SSDs, die schon lange im Einsatz sind, verhindert die TRIM-Unterstützung, dass die SSD und somit der Rechner mit der Zeit langsamer wird. In OS X ist TRIM eigentlich bereits integriert, funktioniert von Haus aus aber nur mit SSDs, die von Apple zusammen mit dem Rechner ausgeliefert werden. Den Nachrüstern unter euch hilft die kostenlose Anwendung Trim Enabler.

Trim Enabler

Günstige Alternative: Hybrid-Festplatten
Im direkten Geschwindigkeitsvergleich steckt eine SSD eine herkömmliche HDD locker in die Tasche. Preislich liegt hingegen eine klassische Festplatte vorn. Die Vorteile beider Festplatten vereinen sogenannte Hybrid-Festplatten wie die Seagate Laptop SSHD. Ganz so schnell wie SSDs und genau so günstig wie HDDs sind Hybrid-Festplatten zwar nicht, ein ordentlicher Kompromiss sind sie aber allemal. Wie’s funktioniert? Neben einer herkömmlichen drehenden Festplatte mit einem Terabyte enthält der Hybrid eine SSD-Partition mit acht Gigabyte Speicher. Dabei kopiert die auf Firmware-Ebene installierte Software automatisch oft benötigte Dateien von der langsameren HDD auf die SSD Partition. Bei der Konfiguration müsst ihr euch also keine Gedanken machen und könnt die Platte ganz normal in euren Mac einbauen.

Seagate SSHD

Speicher-Upgrade für MacBook Air und MacBook Pro mit Retina Display
Bei den neuen, flachen MacBooks macht es uns Apple richtig schön schwer. Da in diesen Modellen SSDs in einer speziellen Form verbaut werden, ist das Angebot kompatibler SSDs relativ gering und damit – gemäß den Gesetzen des Marktes – teuer. Zum Glück verfügen alle Apple-Laptops über einen SD-Kartenslot, den man als Speicherupgrade wunderbar zweckentfremden kann. Bis zu 64 Gigabyte fügt ihr euren MacBooks mit einer passenden Karte hinzu. Da SD-Karten aufgrund ihrer Größe aber immer ein bisschen aus dem Gehäuse vorstehen, haben einige Hersteller wie Nifty oder PNY spezielle kurze SD-Karten im Angebot. Diese passen perfekt in das SD-Kartenslot und ihr könnt diese einfach permanent eingesteckt lassen.

Nifty