Wer seine Bilder mit Apples Bildverwaltungs-Werkzeug Fotos bearbeitet und sortiert, muss sich vom einfachen System aus Ordnern und Unterordnern verabschieden. Die Verwaltung von Fotos erfolgt nicht auf Dateiebene, sondern mithilfe einer Mediathek. Ein sich daraus ergebendes Problem ist die mitunter knifflige Zusammenführung mehrerer Mediatheken. Wir haben uns auf die Suche nach Lösungen gemacht.

Organisation in Mediathek
Beim ersten Start erstellt Fotos.app im Bilder-Ordner die Fotos Mediathek. In dieser werden künftig Bilder und Videos nach einem eigenen System geordnet. Mit einem Rechtsklick auf die Mediathek und den Befehl Paketinhalt zeigen könnt ihr genau dieses System zumindest zum Teil nachvollziehen. Alle Originale befinden sich im Ordner Masters – sortiert nach Jahr, Monat, Tag sowie einer eindeutigen Nummer. Die Fotos Mediathek öffnet Fotos.app automatisch, außer ihr haltet die [alt]-Taste beim Start gedrückt und ruft damit die Mediatheken-Auswahl auf. So könnt ihr zum Beispiel die Mediathek eines Freundes öffnen oder aber eine weitere Mediathek anlegen, beispielsweise eine geteilte Mediathek oder eine für ein bestimmtes Projekt.

Mediatheken zusammenfügen
Unter gewissen Umständen bringt euch die Arbeit mit mehreren Mediatheken aber an einen Punkt, an dem ihr mehrere Mediatheken zu einer großen zusammenfügen möchtet. Eine Option wie „Mediatheken zusammenführen“ findet sich dafür allerdings bis dato nirgends. Und die Bilder einfach von Mediathek A in Mediathek B ziehen, klappt ebenso wenig, da Fotos nur eine Mediathek gleichzeitig öffnen kann. Beim manuellen Verschieben der Bilder in einen Ordner und von dort in die Mediathek geht hingegen die existierende Struktur verloren. Außerdem verbringt ihr unnötig Zeit damit, Ereignisse und Ordner erneut anzulegen. Zum Glück geht das aber auch etwas einfacher: über Ablage und Exportieren.

Export & Import – aber mit Bedacht!
Auch beim Export von Bildern aus Mediathek A und den Import in Mediathek B gibt es einiges zu beachten. Grundsätzlich funktioniert der Export wie folgt:

1. Markiert in der Übersicht alle zu exportierenden Fotos. Bei einer großen Menge Bildern klappt das am schnellsten mit dem Tastenkürzel [cmd]+[A], das alle Bilder in einem Ereignis oder Album markiert.
2. Wählt über Ablage die Funktion Exportieren.
3. Entscheidet euch, ob ihr die bearbeiteten Versionen oder aber die Originale exportieren wollt.

ExportImport

Klingt einfach? Ist aber dennoch tricky. Entscheidet ihr euch nämlich dafür, die Originale zu exportieren, gehen alle Änderungen wie Filter, Korrekturen, Bilddrehungen oder Schnitte verloren. Exportiert ihr hingegen die bearbeiteten Versionen, könnt ihr Änderungen später nicht mehr rückgängig machen. Außerdem gehen unter Umständen Metadaten wie der Aufnahmeort verloren.
UNSER TIPP: Löscht nach dem Export/Import die alte zusätzliche Mediathek A erst dann, wenn ihr euch sicher seid, dass alle Daten in Mediathek B übernommen wurden!

Zusammenlegen
Beim Durchforsten der verschiedenen Menü-Optionen ist dem ein oder anderen sicherlich schon einmal die Funktion Zusammenlegen aufgefallen. Was verlockend klingt, macht etwas anderes als erwartet. Diese Funktion sorgt nämlich nur dafür, dass nicht in die Fotos Mediathek in den Ordner Bilder kopierte Aufnahmen, die dennoch als Verlinkung vorhanden sind, von ihrem bisherigen Speicherort in die Mediathek kopiert werden. Die Funktion ist aber nur dann relevant, wenn ihr in den Fotos-Einstellungen unter Importieren die Funktion „Objekte in die Fotomediathek kopieren“ in der Vergangenheit deaktiviert hattet. Im Normalfall ist diese Funktion aktiviert und der Zusammenlegen-Befehl für euch nicht von Bedeutung.

Aus Zwei mach Eins mit PowerPhotos
Dass das Zusammenlegen von Mediatheken in Fotos direkt nicht funktioniert, heißt allerdings nicht, dass es überhaupt nicht geht. Immerhin gibt es für alles eine App – auch für die sonst eher mühselige Aufgabe, zwei Fotos-Mediatheken zu kombinieren. Früher als iPhoto Library Manager bekannt, sorgt PowerPhotos mit wenigen Klicks für Ordnung. Die Anwendung ist in der Lage, mehrere Mediatheken gleichzeitig zu öffnen. Auf diese Weise erlaubt die App das gleichzeitige durchforsten mehrerer Mediatheken. Fotos und Alben lassen sich per Drag & Drop hin und her kopieren, ohne dass die wichtigsten Metadaten verloren gehen. Leider gibt es auch Einschränkungen: Projekte, Gesichter, manuell zugewiesene Order sowie Bearbeitungen übernimmt selbst PowerPhotos nicht. Auch hier gilt: Entweder verzichtet ihr auf die Möglichkeit, bearbeitete Fotos wiederherstellen zu können, oder aber auf eure Bearbeitungen.

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So klappt das Kombinieren mit PowerPhotos
Stärkste Eigenschaft von PowerPhotos ist ohne Zweifel die Möglichkeit, mehrere Mediatheken zu kombinieren. In unserem Test sollen die Bilder aus Mediathek A in Mediathek B wandern. Dazu hält die Anwendung einen integrierten Manager bereit, der euch anhand weniger Optionen zu einer gemeinsamen Mediathek führt.

1. Zuerst wählt ihr die Mediathek(en), die in die neue Mediathek einfließen soll. In unserem Fall ist das Mediathek A.
2. Anschließend verweist ihr PowerPhotos auf eine existierende Mediathek (B) oder erstellt aus zwei oder mehr bestehenden Mediatheken eine neue Mediathek.
3. Duplikate löscht PowerPhotos auf Wunsch durch Vergleiche und nur dann, wenn Bildname und Bilddatum gleich sind.
4. Den letzten Schritt kennt ihr bereits aus der Export/Import-Variante: Ihr müsst euch entscheiden, ob nur unbearbeitete Originale oder bearbeitete JPGs ohne Wiederherstellungsmöglichkeit in die neue Mediathek fließen sollen. Löscht deshalb die alte – unsere Mediathek A – also auf keinen Fall sofort, damit ihr im Zweifel Originale oder aber bearbeitete Werke zu einem späteren Zeitpunkt wiederherstellen könnt. Am besten schiebt ihr die alte Mediathek auf eine sichere, externe Festplatte. So habt ihr immer einen Weg zurück.
5. Beim Klick auf Preview erstellt PowerPhotos eine Vorschau der neuen gemeinsamen Mediathek. Sobald ihr den Kopierauftrag startet, fragt die App noch, ob ihr eine Sicherungskopie von Mediathek N erstellen wollt, bevor die Inhalte aus Mediathek A Einzug halten. Zusammen mit dem in Punkt 4 erstellten Backup habt ihr auch nach Fertigstellung eine Sicherung der beiden Mediatheken.

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Noch ein Hinweis: Unsere zu integrierende Mediathek A war etwa 40 Gigabyte groß. Der etwa eine Stunde dauernde Import verlief nicht auf einmal, sondern in Paketen von je 50 Fotos. Im Laufe des Prozesses kam es ein paar Mal zu Fehlermeldungen, die erst bestätigt werden mussten, bevor der Prozess fortschreiten konnte. Nehmt euch also ausreichend Zeit und bleibt am Rechner während PowerPhotos beschäftigt ist.