Das neue Mac-Betriebssystem macOS 10.14 „Mojave“ stellt die Weichen für eine gemeinsame App-Zukunft von Mac, iPhone und iPad.

Auf die regelmäßig im Internet kursierenden Gerüchte, Apple würde langfristig Mac und iPad verschmelzen, hatte Apples Software-Chef Craig Federighi zur WWDC-Keynote eine klare Antwort: Nein. Dennoch bewegen sich beide mit dem neuen Betriebssystem macOS 10.14 „Majave“ aufeinander zu.

 

Allerdings geht Apple nicht so weit wie der Konkurrent Microsoft. Der Software-Konzern zeigt mit Windows 10, dass Tablet und Rechner nicht zwangsläufig getrennte Geräte sein müssen. Je nachdem, ob Finger oder Maus und Tastatur verwendet werden, zeigt sich Windows in der gewohnten Ansicht oder eben im Tablet-Modus mit größeren Schaltflächen. Doch Microsoft geht noch einen Schritt weiter: Mit „Universellen Windows-Plattform-Apps“, kurz UWP-Apps, laufen Programme nicht nur auf Windows-Rechnern, sondern auch auf anderen Windows-Geräten wie der Xbox, dem Surface Hub oder dem VR-Headset HoloLens. Für Entwickler bedeutet die gemeinsame Codebasis für verschiedene Geräte wenig bis keine zusätzliche Arbeit. Für Microsoft und Windows-Anwender folgt daraus eine größere App-Vielfalt. Auch Apple-Anwender dürfen sich dank eines ähnlichen Ansatzes auf ein besseres App-Angebot auf dem Mac freuen.

 

 

iOS-Apps auf dem Mac

Die gemeinsame Code-Basis funktioniert bei Apple nur innerhalb der iOS-Familie. Eine iPhone-App kann beispielsweise mit wenigen Anpassungen für das iPad oder Apple TV fit gemacht werden. Eine Portierung auf den Mac ist hingegen mit zusätzlicher Programmierarbeit verbunden. Die gute Nachricht: Da iOS auf macOS basiert, gibt es bei der Entwicklung viele Parallelen und sogar gemeinsame Werkzeuge, die die Mehrarbeit in Grenzen halten. So sprechen beide Systeme die von Apple entwickelte Programmiersprache Swift. Trotzdem gibt es im Programmiercode Unterschiede zwischen den beiden Systemen, die unter anderem für die unterschiedliche Darstellung und verschiedene Bedienung notwendig sind. Auf dem Mac gibt es beispielsweise neben Elementen innerhalb der App auch noch das Menü am oberen Bildschirmrand, Rechtsklick-Menüs oder Info-Fenster. Auf dem iPhone verwenden Nutzer wiederum 3D Touch, Wischgesten oder eine längere Berührung für Kontext-Pop-ups.

 

 

Die Anpassung des Codes an das jeweilige System erfolgt unter iOS mithilfe von „UIKit“, auf dem Mac verwenden Entwickler „AppKit“. Einige Entwickler hatten vermutet, dass Apple künftig ähnlich wie Microsoft ein gemeinsames Werkzeug für beide Systeme anbieten könnte, um die Entwicklung zu vereinheitlichen. Dem erteilte Software-Chef Craig Federighi aber ebenfalls eine Absage. Stattdessen vereinfacht Apple die Anpassung bestehender iOS-Apps an macOS drastisch. Viele Funktionen adaptiert Marzipan – so lautet der interne Name für die einfache App-Anpassung – automatisch. Statt der Berührung mit dem Finger funktioniert die Bedienung mit Maus und Tastatur. Tabs ersetzt Marzipan durch eine Menüleiste, aus 3D-Touch-Menüs werden Doppelklick-Elemente. Aus der Teilen-Taste in iOS wird ohne zusätzliche Arbeit das Mac-eigene Teilen-Menü.

 

 

Erste Tests sind vielversprechend

Apple befindet sich aktuell noch in „Phase 1“. In dieser testen die Apple-Entwickler Marzipan mit eigenen Apps. In macOS 10.14 „Mojave“ sind mit der News-, Aktien-, Sprachmemos- und Home-App bereits portierte iOS-Apps enthalten. Erst 2019 soll Marzipan offiziell für Entwickler zur Verfügung stehen. Da Entwickler aber eben auch Tüftler sind, haben einige es schon jetzt geschafft, ihre iOS-Apps für macOS anzupassen. Die Nachrichten-Seite 9to5mac.comportierte zum Beispiel ihre bestehende App zu Testzwecken. Der nötige Aufwand: etwa eine Stunde. Mit einer moderneren App und offiziellen Werkzeugen, sagen die Autoren, wäre die Anpassung aber auch mit deutlich weniger Zeit möglich gewesen. Der Entwickler Peter Steinberger startete einen Versuch mit PDF Viewer. Die App zur Darstellung und Bearbeitung von PDF-Dokumenten ist mit etwa einer Million Codezeilen relativ groß. Und trotzdem lief die App nach etwa einem halben Tag auf dem Mac des Entwicklers.

 

Für Mac-Anwender sind das erfreuliche Nachrichten. Da iOS auf deutlich mehr Geräten als macOS läuft, genießt die Entwicklung einer iPhone- oder iPad-App bei vielen Entwicklern Priorität. Eine eigene Mac-App lohnt sich meist gar nicht – ein Umstand, den ein Blick in den Mac App Store belegt. Durch die drastisch gesunkenen Hürden könnte dem Mac in den kommenden Jahren eine regelrechte App-Flut bevorstehen. Mit einer eigenen Netflix-App könnte der Mac endlich mit Windows gleichziehen und auch auf dem Laptop Downloads ermöglichen. Außerhalb des Browsers wären Twitter, WhatsApp, Instagram und Facebook in der Lage, mehr und bessere Funktionen zu bieten. Und selbstverständlich wäre es dann endlich möglich, Spiele-Highlights wie Monument Valleyoder The Roomauf dem großen Bildschirm zu spielen.