Im Gespräch mit Eve Systems: So sieht die Zukunft von HomeKit aus

Apples Smart-Home-Plattform wird laufend weiterentwickelt. Wir fragen nach, welche neue Features wir als nächstes erwarten können.

Der Smart-Home-Markt ist so vielfältig wie ein orientalischer Basar. Statt verschieden bunten Händlern tummeln sich hier unterschiedliche Anbieter mit eigenen Technologien und Produkten. Funkstandards und ganze Smart-Home-Ökosysteme versprechen Übersicht und Kompatibilität. Zu diesen Standards gehört auch Apples HomeKit, das eine komfortable Einrichtung und Verknüpfung smarter Geräte untereinander ermöglicht. Zu den Pionieren der HomeKit-Szene gehört auch das Münchener Unternehmen Eve Systems. Wir haben mit PR-Chef Lars Felber gesprochen.

Lars, viele kennen euch noch als den TV-Stick- oder auch Gaming-Zubehörhersteller Elgato. Seit wann und warum seid ihr als Eve Systems unterwegs?

Das Gaming-Geschäft haben wir mitsamt der Marke Elgato Mitte 2018 verkauft, und EyeTV hat bereits seit drei Jahren einen neuen Besitzer. Damals hatten wir bereits mehrere Bluetooth-Zubehörprodukte auf den Markt gebracht, wie etwa die LED-Birne Avea …

… und da habt ihr Smart Home entdeckt?

Genau. Wir haben uns den Smart-Home-Markt angeschaut und festgestellt: Da ist noch viel Luft nach oben, wenn man sich die Benutzererfahrung anschaut und wie einfach die Einrichtung ist. Damals waren Smart-Home-Produkte nicht sehr intuitiv und mit viel Bastelei verbunden. Das war entweder für Liebhaber oder Installateure.

Ist das heute anders?

Definitiv! Das Erlebnis, ein Smart-Home-Produkt einzurichten, ist bei HomeKit unerreicht. Man scannt einen QR-Code und iOS erkennt das Gerät. Bei Bluetooth ist es sogar noch einfacher, weil ich kein WLAN brauche. Im Gegensatz zu anderen Systemen braucht man auch nicht unbedingt eine Zentrale, auch Bridge genannt, die installiert und mit Login-Daten bestückt werden muss. Außerdem ist HomeKit sehr sicher. Als wir anfingen, Eve-Produkte zu entwickeln, war von HomeKit noch nicht die Rede und wir mussten uns selbst überlegen, wie wir die Steuerung bauen. Security-Experten der TU München rieten uns damals davon ab, als kleiner Hersteller eine eigene Cloud-Infrastruktur aufzubauen. Die Apple-Ankündigung zu HomeKit war die Lösung. Dadurch konnten wir auf einem Zug mitfahren, den einer der größten Konzerne lenkt. Und dessen Smart-Home-Plattform auf „Security by Design“ setzt.

Welche Rolle spielt das Thema Sicherheit?

Eine überragende! Und der Stellenwert wird permanent höher. Uns gefällt, dass Datensicherheit auch für Apple eine Geschäftsgrundlage ist. Kundendaten sind heilig und die Daten unserer Kunden somit sicher. Aus diesem Grund sind Eve-Produkte auch HomeKit-exklusiv.

Für HomeKit-Produkte war bisher ein Authentifizierungs-Chip Pflicht. Inzwischen gibt es auch eine Möglichkeit, ohne diesen zu arbeiten. Was bedeutet das für euch?

Für uns war der Chip, der der Sicherheit der Produkte dient, nie eine Hürde. Wir haben von Anfang an damit gearbeitet, und bis heute laufen all unsere HomeKit-Produkte mit Chip. Die Software-Authentifizierung ist aus unserer Sicht deshalb begrüßenswert, weil sie anderen Herstellern mit existierender Basis den Eintritt in den HomeKit-Markt erleichtert und ihn damit insgesamt schneller wachsen lässt. Das ist gut für alle: Wenn der Wasserspiegel steigt, gehen alle Boote nach oben.

Werde ich als Kunde nicht gläsern?

Überhaupt nicht. Die Kommunikation zwischen Smart-Home-Geräten und den iOS-Geräten ist Ende-zu-Ende verschlüsselt. Weder wir noch Apple können die Daten auslesen oder analysieren. Apple ist führend bei der Sicherheit – auch weil es transparent ist. Andere Hersteller verschleiern ihre Technologie absichtlich. „Security by obscurity“ nennt man das. Dem ist nicht zu trauen. Andere Konzerne erstellen zwar ebenfalls umfangreiche Dokumente zur Sicherheit ihrer Plattformen. Doch wie glaubwürdig wirken solche Papiere, wenn beispielsweise ein Hersteller die Existenz undokumentierter Mikrophone in seinen Geräten einräumen muss? Wir haben keinen Zugriff auf Kundendaten und für uns ist es weder attraktiv noch mit vertretbarem Aufwand machbar, irgendwas zu sammeln und zu analysieren.

Wo geht die Reise von Eve und der Branche hin?

Der Komfortbereich liegt uns sehr am Herzen. Der Raumsensor Eve Room ist eines unserer zentralen Produkte. Aber auch Kontrolle wird wichtiger: Heizungssteuerung, schaltbare Steckdosen und mehr. Unsere smarten Eve Steckdosen waren von Anfang an ein Top-Seller. In den USA ist auch der Lichtschalter Eve Light Switch sehr beliebt. Generell ist alles, was mit Licht und Kontrolle zu tun hat, bärenstark. Aber: Für neue Produkte sind wir auf HomeKit und die verfügbaren Gerätekategorien angewiesen. Wir brauchen spezielle Profile für verschiedene Funktionen. Und die fügt Apple mal früher, mal später hinzu. Das Bewässerungssystem gibt’s zum Beispiel erst seit iOS 11.

Was wünscht ihr euch diesbezüglich von Apple?

Für uns ist die Stabilität der Plattform wichtig. Wir hoffen, dass Apple hier weiterhin Marktführer bleibt. Bei der Sprachsteuerung liefern sich Google, Amazon und Apple ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Auch hier wünschen wir uns weiterhin Entwicklung. Die Sprachsteuerung ist kritisch für HomeKit. Wir sind uns sicher, dass Apple da in Zukunft viel Neues zeigen wird. Viele Fernseher bekommen ja jetzt HomeKit- und AirPlay-2-Unterstützung. Das bedeutet, dass Apple-Infrastruktur im Zuhause noch präsenter sein wird. Das Thema Überwachungskameras finden wir spannend, die Umsetzung in der Home-App gefällt uns aber noch nicht. Da würden wir uns beispielsweise über eine Mitschnitt-Möglichkeit freuen. 

Ist Apple offen für Vorschläge von Entwicklern?

Zum einen erhält Apple auch von uns Feedback, ganz klar. Das machen andere Hersteller auch und helfen so, die Plattform zu verbessern. Direkte Vorschläge können wir zwar ebenfalls machen, aber es gibt keine Garantie, dass wir erhört werden. Eve Room kann zum Beispiel keine iOS-Benachrichtigungen zur Luftqualität senden wie die Tür- und Fensterkontakte. Dabei würde man eine Meldung wie „Schlechte Luftqualität, bitte lüften“ erwarten. Aber das geht aktuell noch nicht. Eve Motion und Eve Degree haben eine solche Möglichkeit mit der Zeit bekommen. 

Was ist euer Next Big Thing?                                                       

Wir arbeiten gerade mit Hochdruck an der Markteinführung der Eve Energy Dreifachsteckdose. Auch der Lichtschalter Eve Light Switch für Europa ist in der Pipeline und kommt noch dieses Jahr. Außerdem tüfteln wir an einem wunderbaren Produkt mit Fokus auf Sicherheit. Mehr kann ich noch nicht verraten.