Das iPad ersetzt die Leinwand, der Pencil den Bleistift. Wir zeigen euch, wie ihr mit den passenden Apps eure kreative Ader ausleben könnt.

Kein Pinsel. Kein Wasser. Alles zum Zeichnen ist schon da, beschreibt David Hockney seine Arbeit mit dem iPad. Der 82-jährige Brite zählt neben Andy Warhol, Roy Liechtenstein und Robert Rauschenberg zu den einflussreichsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Seit knapp zehn Jahren malt Hockney auch digital – zunächst mit dem iPhone, dann mit dem iPad. Zur Corona-Zeit sendete er vor ein paar Wochen ein besonderes Kunstwerk in die Welt: Vier Osterglocken, verbunden mit der Botschaft: „Denkt daran, der Frühling kann nicht gestrichen werden.“

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Welche digitalen Stifte gibt es?

Wenn ihr wie Hockney ebenfalls das iPad als digitale Leinwand nutzen wollt, braucht ihr im Prinzip nicht mehr als das Apple-Tablet und eine passende App. Als Pinsel könnt ihr eure Finger benutzen, präziser und vielfältiger zeichnet und malt ihr aber mit einem digitalen Stift. Hier unterscheidet man zwischen verschiedenen Typen: Sogenannte kapazitive Stifte (z. B. Networx 3 in 1 Stylus) funktionieren ohne Strom und Bluetooth. Sie sind zwar genauer als der Finger, für filigrane Skizzen aber noch zu grob. 

Deutlich präziser arbeiten aktive Eingabestifte, die ein eigenes elektrisches Feld erzeugen oder sich per Bluetooth mit dem iPad verbinden. Je nach Ausstattung und Softwareunterstützung übertragen die Stifte Druckstärke und Neigungswinkel oder lösen mit einer Shortcut-Taste wie beim Bamboo Fineline weitere Funktionen aus. Wichtig: Achtet auf eine Handflächenerkennung, damit euer Handballen beim Auflegen auf das Display das Mal- oder Zeichenergebnis nicht beeinflusst. In dieser Disziplin punkten vor allem Stifte wie der Logitech Crayon und die Apple-Modelle Pencil 1 und 2.

Was unterscheidet Apple Pencil 1 und 2?

Der Apple Pencil 1 ist komplett rund und wird über einen Lightning-Anschluss geladen. Dagegen hat Pencil 2 eine flache Seite, die magnetisch am iPad Pro hält und so das induktive Laden und Koppeln ermöglicht. Außerdem verfügt die zweite Generation über eine intuitive Touch-Oberfläche, die Doppeltippen unterstützt. Das ist praktisch, um beispielsweise zum zuletzt verwendeten Werkzeug zu wechseln. Auch hinsichtlich der Kompatibilität gibt es Unterschiede: Die 1. Generation harmoniert mit den Modellen iPad Air (3. Generation), iPad (7. Generation), iPad mini (5. Generation), 10,5″ iPad Pro, 12,9″ iPad Pro (2. Generation), 12,9″ iPad Pro (1. Generation), 9,7″ iPad Pro und iPad (6. Generation). Der Apple Pencil 2 wurde speziell für das 11″ iPad Pro und das 12,9″ iPad Pro (3. und 4. Generation) entwickelt. 

Apple Pencil und iPad
©Apple

Was sind die besten Apps zum Malen und Zeichnen auf dem iPad?

Hockneys bevozugte Mal-App ist Brushes, mittlerweile Brushes Redux. Die kostenlose App war eines der ersten Malprogramme für iOS und unterstützt die Arbeit mit unterschiedlichen Ebenen (Layern). Wer bereits mit Photoshop Erfahrungen gesammelt hat, wird viele bekannte Funktionen bei der App Procreate (10,99 Euro plus In-App-Käufe) wiederfinden. Mit ultrahochauflösenden Leinwänden von 16K mal 4K können Künstler mehrere Meter große Kunstwerke planen und detailliert füllen. Praktisch: die Aufnahmefunktion, die jeden Pinselstrich in ein Timelapse-Video verwandelt:

Ein Zeichen für mehr Kreativität hat das Unternehmen Autodesk gesetzt. Die umfangreiche Skizzen-App Sketchbook ist in der Vollversion für alle Anwender kostenlos. Ebenfalls kostenlos ist die App Sketch von Adobe. Vorteil: Die Werke lassen sich anschließend in den professionellen Adobe-Anwendungen Illustrator und Photoshop weiterbearbeiten. 

Falls ihr noch keine Erfahrungen mit Ebenen habt, ist Paper die ideale Einstiegs-App: Die unterschiedlichen Stift- und Pinsel-Werkzeuge sind sofort „greifbar“ und ihr könnt Seite für Seite in eurem Skizzen-Buch (Journal) füllen. Für den Start sind alle wichtigen Stifte, Pinsel und Farben kostenlos vorhanden, weitere Tools und Funktionen stehen Pro-Benutzern für 9,99 Euro im Jahr zur Verfügung. Einige Beispiele von Anwendern findet ihr hier.

Sketch
©Mehmet Sukuroglu

Wer lieber traditionell arbeiten will, aber ohne Schmutz und Geruch, findet Öl- und Pastellfarben, Kohle und Schwämme bei Art Set Pro. Auch hier steht nur ein Layer zur Verfügung, damit die Komplexität gering bleibt. Die Standard-Version kostet 3,49 Euro, es lohnt sich aber, 7,99 Euro in den vollen Werkzeug- und Funktionsumfang der Pro-Version zu investieren.

App auf iPad
©Art Set

Wo bekomme ich Tipps zum Einstieg?

Kennt ihr noch Bob Ross? Der US-amerikanische Künstler hat mehr als 400 TV-Malkurse produziert, in denen er mit sanfter Stimme Schritt für Schritt seinen Zuschauer die Landschaftsmalerei näherbrachte. Ganz ähnlich führt James Julier durch seine Art Tutorials auf YouTube. Der Künstler zeigt, wie mit der App Procreate, einem 12,9“ iPad Pro und einem Apple Pencil 2 Kunstwerke entstehen, zum Beispiel „Bergsee mit Baum“:

Einen guten Einstieg gibt auch Adobe mit seiner Anleitung für Sketch. Sie beschreibt, wie ihr ein neues Projekt anlegt, das Pinsel-Set nutzt, Farben übernehmt, Ebenen anlegt und mit Effekten experimentiert.

Adobe Sketch
©Adobe Sketch

Und sollte es trotz Technik und Anleitung mit der eigenen Kunst nicht so richtig klappen, habt ihr immer noch die Möglichkeit, euch einen echten Hockney ins Wohnzimmer zu hängen. Im Taschen Verlag ist ein großformatiges Künstlerbuch mit 120 iPhone- und iPad-Zeichungen des Briten erschienen. Sie zeigen Motive, die Hockney beim Blick aus seinem Fenster in Yorkshire gezeichnet hat. „My Window“ ist auf 1.000 Exemplare limitiert und kostet 1.750 Euro. In der Art Edition erhaltet ihr außerdem einen signierten Kunstdruck. Preis: zwischen 8.500 und 15.000 Euro.