Schnell und einfach zum eigenen Podcast

Mit einem Podcast erstellt ihr eure eigene kleine Radiosendung. Was ihr braucht: eine gute Idee, etwas Software und Durchhaltevermögen.

Bei Podcasts handelt es sich um kurze Video- oder Audio-Sendungen, die meist kostenlos angeboten werden. Je nach Anbieter stehen die Sendungen direkt auf der Webseite des Podcasters zum Download bereit oder sie werden über Podcast-Apps wie Apple Podcasts, Overcast, Castro oder Procast angeboten, was deutlich komfortabler ist. In diesen Apps stöbert ihr mithilfe von vorgeschlagenen redaktionellen Highlights und Chart-Listen nicht nur durch neue, spannende Sendungen, sondern könnt diese auch abonnieren. Dann werden neue Sendungen automatisch runtergeladen und stehen so beispielsweise für den Weg zur Arbeit oder das Lauftraining bereit.

Das Tolle an Podcasts ist, dass sie mit geringem technischen Aufwand und Know-how schnell erstellt werden können und ihr so ohne teures Equipment zum Internet-Radiostar werden könnt. Wofür früher noch Übertragungswagen und Satellitenschüsseln nötig waren, reicht heute ein Handy mit Internetverbindung. Nur eine Sache sollte jeder Podcaster unbedingt mitbringen: die Lust am Reden. Wie wäre es mit einem eigenen Podcast, der die neue Lauf-Leidenschaft dokumentieren und andere für das Hobby begeistern soll? Oder mit einem Gutenachtgeschichten-Podcast für Kinder? Oder ein Eltern-Podcast, der Schulprobleme behandelt oder ein Tech-Podcast über die neuesten coolen Gadgets?

Sucht euch ein Thema

Am Anfang gilt es, viele Fragen für dich zu klären: Worüber will ich genau sprechen? Traue ich mich alleine ans Mikrofon oder möchte ich das lieber mit einem Freund oder Kollegen machen? Gibt das Thema wirklich so viel her, dass ich mehrere Folgen damit füllen kann? Wie soll der Podcast heißen? Und und und … Lasst euch von diesen Fragen nicht entmutigen. Sinnvoll ist es, alles erstmal niederzuschreiben. Die Gedanken zu ordnen. Zu überlegen, wie die erste Folge aussehen könnte, wie sie aufgebaut sein sollte, welche Länge sie haben sollte. Dann eventuell noch die zweite und weitere Folgen skizzieren. Der Podcast muss zunächst im Kopf entstehen und dann schriftlich skizziert werden, bevor es wirklich ernst werden kann und das Mikrofon eingestöpselt wird.

Wer alleine arbeitet, kann schnell und einfach jedes beliebige Textverarbeitungsprogramm nutzen, oder auch ein Tool wie die Notizen-App auf dem Mac. Hier ist der große Vorteil, dass alles übersichtlich durchklickbar ist, ohne mehrere Dokumente öffnen zu müssen. Für jede Folge kann eine neue Notiz im Podcast-Ordner angelegt werden. Außerdem synchronisieren sich die Notizen zwischen iPhone, iPad und Mac. Dadurch erfasst ihr spontane Ideen schnell unterwegs und formuliert diese dann bequem am Rechner aus. Praktisch ist auch die Möglichkeit, mit Zeichnungen und Checklisten zu arbeiten! Wer mit anderen zusammen an einem Podcast arbeitet, für den empfehlen sich cloudbasierte Lösungen wie Apples Pages, Evernote oder Google Docs. Eine Alternative sind Mindmaps, die ihr zum Beispiel mit MindNode erstellt.

Sobald eure Idee konkreter ist, notiert ihr diese vor der Aufnahme in Stichworten, damit ihr nichts vergesst. Bitte keine ausformulierten Sätze ablesen, das klingt immer schrecklich!

Die erste Aufnahme im Wohnzimmerstudio

Bevor es an die Aufnahme geht, solltet ihr herausfinden, wo eure Wohnung am besten klingt. Macht dazu einfach ein paar Probeaufnahmen und hört sie euch an. Meist bieten sich Räume an, in denen es möglichst viele Textilien gibt, denn diese schlucken den Schall. Wenn ihr dagegen in einem Raum aufnehmt, der überwiegend aus glatten Flächen besteht wie das Bad, klingt eure Aufnahme hallig wie in einer Kirche. Aber auch wenn ihr keinen optimalen Raum findet, könnt ihr den Klang verbessern: Legt eine normale Decke auf den Fliesenboden, öffnet vorhandene Schranktüren und stellt euch in eine Ecke für die Aufnahme – schon klingt es besser.

Wichtig ist außerdem, dass ihr vor der Aufnahme mögliche Störquellen identifiziert und entfernt. Das kann das tragbare DECT-Telefon sein oder ein brummendes Netzteil. Auch Kühlschrank, Leuchtstoffröhren und ähnliche Geräte haben in eurem kleinen Podcaststudio nichts verloren, weil sie Geräusche produzieren, die ihr nicht auf den Aufnahmen haben wollt. Aber die rauszuwerfen kann natürlich schwierig sein. Grundsätzlich gilt: Lieber nicht in Bad und Küche aufnehmen, sondern besser im Schlafzimmer, im begehbaren Schrank oder in der Abstellkammer.

Die richtige Technik

Ist der perfekte Ort gefunden, geht ihr zur technischen Vorbereitung über. Wer direkt am Rechner aufnehmen möchte, sorgt mit einem USB-Mikrofon wie dem Blue Yeti oder Røde Podcaster für optimale Qualität. Wer es gerne mobil mag, kann auch direkt das iPhone nutzen und beispielsweise ein Shure MV-88 anschließen, das mit einer ansprechenden Aufnahme-App daherkommt. Wollt ihr euch erstmal ausprobieren, verwendet ihr einfach ein einfaches Headset mit Mikrofon. Auch hier gilt: Macht zunächst ein paar Probeaufnahmen, um Überraschungen zu vermeiden.

Für Aufnahme und Schnitt empfehlen wir GarageBand für iOS oder Mac. Wie ihr mit diesem Programm eure Stimme aufnehmt, erklärt dieses Support-Dokument. Alternativ lohnt sich das Open Source-Programm Audacity. Für fortgeschrittene User gibt es noch einige andere Lösungen wie Hindenburg Journalist, Logic Pro oder Adobe Audition beziehungsweise Ultraschall, eine von deutschen Podcastern entwickelte Erweiterung der Reaper-Software.

Veröffentlichen leicht gemacht

Ist die Aufnahme fertig und die erste Episode geschnitten, muss sie nur noch online gestellt werden. Für Anfänger empfiehlt es sich einen Anbieter zu wählen, der die komplette Technik übernimmt. Podcast-Dienstleister bieten monatlichen Speicherplatz, einen fertigen RSS-Feed (Voraussetzung für den Nutzer, um einen Podcast zu abonnieren) und einen kleinen Blog mit Player für den Anfang. Beliebte Anbieter sind beispielsweise Podigee oder Podhost.

Marketing!

Wenn alles online ist, solltet ihr euren Podcast bewerben. Wichtig ist vor allem, euren Podcast in alle gängigen Podcast-Verzeichnisse einzutragen. Nur so ist gewährleistet, dass er von interessierten Hörern auch gefunden wird. Tragt den Podcast bei iTunes , Google Play, Stitcher, podster.de und eventuell auch bei Spotify ein. Rührt die Werbetrommel in den sozialen Netzwerken und werbt in eurer E-Mail-Signatur dafür! Überlegt euch, wo ihr potenzielle Hörer erreichen könnt. Wichtig ist: Haltet durch! Eine Podcast-Community bildet sich nicht von heute auf morgen. Das dauert. Ihr solltet also mindestens sechs Monate dranbleiben, ohne dabei ständig auf die Quote zu schielen. Das Wichtigste ist sowieso, dass ihr Spaß daran habt, euren Podcast zu machen.

Ihr wollt noch tiefer in das Thema Podcasts einsteigen? Dann empfehlen wir euch das Buch Podcasting!: Von erfahrenen Podcastern lernen von Larissa Vassilian. Das Werk ist auch für Technik-Laien geeignet und erklärt umfassend alle wichtigen Schritte von der Themenfindung über die Produktion bis zur Vermarktung mit Praxistipps und Interviews.