Skeuomorphismus – Apples unverwechselbarer Designstil

Apples Produkte haben einen ganz besonderen, unverwechselbaren Stil, den schon viele zu kopieren versucht haben. Das gilt nicht nur für die äußere Erscheinung von Macs und iPhones, sondern auch für die Oberflächen von Programmen und Betriebssystemen. Den wirklichkeitsgetreuen Stil beispielsweise der Notizen-App nennt man Skeuomorphismus. Wir haben uns das Design, das hinter diesem Zungenbrecher steckt, genauer angeschaut.

 

Zwischen dem inneren und dem äußeren Design der Apple Produkte hat sich mittlerweile ein interessanter Gegensatz entwickelt. Während Macs, iPads und andere Geräte äußerlich absolut minimalistisch wirken, sind die Programme im Inneren zum Großteil optisch verspielt. Sie sind in ihren Formen und Texturen Objekten der realen Welt nachempfunden. Der Fachbegriff für diese Designrichtung der Wirklichkeitsnachempfindung lautet Skeuomorphismus.

Die Kalender-App hat einen virtuellen Leder-Einband.
Die Notizen-App in Mountain Lion gleicht einem Papier-Block.

 

Über den dekorativen Wert eines skeuomorphen Designs – wie dem des Papierkorbs, dem von iCal seit OS X 10.7 oder dem des Taschenrechners auf dem iPhone – kann man sich streiten. Die einen sehen seinen Vorteil darin, dass es die Einstiegshürde für den Nutzer senkt. Der Nutzer sieht Oberflächen, die ihm aus dem Offline-Leben bekannt sind und findet sich daher leichter zurecht als in einem minimalistischen Design. Für Kritiker hat der Skeuomorphismus neben seinem dekorativen Wert keinen weiteren Nutzen.
Seit bekannt wurde, dass Jony Ive, Chef-Designer bei Apple und verantwortlich für das praktisch-klare Geräte-Design, in Zukunft auch die Verantwortung für das Human Interface Design übernehmen soll, vermuten Apple Fans, dass er als Vertreter des minimalistischen Designs in Zukunft den Skeuomorphismus bei Apple wieder abschaffen könnte.

 

Das Adressbuch sieht genau aus wie das kleine Buch, das man früher im Aktenkoffer mit sich führte.

 

iBooks präsentiert alle eBooks in einem echten Bücherregal.

Wie das aussehen könnte, veröffentlichte kürzlich der bekannte Techblog The Verge. Dort könnt ihr sehen, wie OS X Mountain Lion ohne die skeuomorphe Optik aussehen würde. Wenn sich der Kalender an den sonstigen Systemfarben orientieren würde, anstatt einen tatsächlichen Abreißkalender zu imitieren, und die Kontakte-App sowie die Notizen-App dem Minimaldesign verschrieben wären, wäre Mountain Lion kaum wiederzuerkennen.

So sähe die Kalender-App ohne Skeuomorphismus aus.
Die Kontakte-App ohne ihren skeuomorphen Leder-Einbnd.

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Kommentare (1)

    Marlene Bitzer

    Eigentlich logisch… sehen, was man eh‘ schon kennt, gibt Sicherheit. Und „begreifen“ kommt zwar nicht von greifen, dafür hat man Software eben oft schneller im Griff, wenn Man’s im echten Leben ähnlich gehalten hat. Lobenswerter Ansatz, erfolgreiche methode und praktisch obendrauf. Und wenn sich jetzt noch jemand eine greifbare Übersetzung für „Skeuomorphismus“ einfallen ließe, hätten wir auch das begriffen 🙂 GlG von marlene, http://www.girlsgame.tv