Zur Einführung des iPhones war von Apps noch keine Rede. Inzwischen sind sie nicht mehr wegzudenken. Ein Rückblick.

„Im vergangenen Juni, als wir das iPhone auf den Markt brachten, starteten wir auch Web-Applikationen. Das war unglaublich erfolgreich“, resümierte der damalige Apple Software-Chef Scott Forstall kurz vor dem ersten Geburtstag des iPhones im März 2009. Hinter den Kulissen war die Freude allerdings nicht so groß.  Viele Entwickler kritisierten das Unternehmen, da Apple ihnen die Werkzeuge für echte native Anwendungen vorenthielt. Diese reichte Apple an jenem Abend nach und legte damit den Grundstein für die inzwischen milliardenschwere App-Industrie. Mit der Veröffentlichung des iPhone OS 2 im Juli des gleichen Jahres ging der App Store an den Start.  500 Apps standen am Anfang zum Download bereit.

 

Rekord folgt auf Rekord folgt auf Rekord…

Schon im September 2009, nur zwei Monate nach dem Startschuss, feierte Apple den ersten Meilenstein: 100 Millionen Downloads und 3.000 verfügbare Apps. Ein Jahr später stand der App-Zähler bei 85.000 Apps und insgesamt zwei Milliarden Downloads. Inzwischen ist der App Store etwa zwei Millionen Programme stark. Zu den beliebtesten Anwendungen im Geburtsjahr zählten Koi Pond, Texas Hold’em, Tap Tap Revenge und Facebook.

 

 

Der erste Hit

Im März 2009 erschien der erste, große Hit für das iPhone: Doodle Jump. Ziel des Spiels ist es, mit einer Spielfigur auf einer endlosen Reihe von Plattformen immer höher zu kommen. Spezielle Kräfte und Gegner machen das Spiel mal einfacher, mal schwieriger. Zu seinen besten Zeiten verkaufte sich Doodle Jump 25.000 Mal pro Tag. Erst Angry Birds knackte knapp ein Jahr später diesen Rekord.

 

Apps erobern das iPad

Ende Januar 2010 präsentierte Apple-Gründer Steve Jobs das iPad. Der Clou: Die zu diesem Zeitpunkt 140.000 verfügbaren Apps ließen sich direkt auf dem iPad installieren. Dieses Prinzip funktioniert noch heute: Gibt es eine App nicht für das iPad aber für das iPhone, könnt ihr diese trotzdem installieren. Über die „2X“-Schaltfläche verdoppelt das iPad die Anzeigengröße der App, damit ihr diese auch auf dem iPad gut verwenden könnt. Zum Verkaufsstart des iPads erhöhte Apple so die mögliche Zielgruppe der App-Entwickler schlagartig um 300.000 Personen – und das nur am ersten Tag.

 

 

Schneller Erfolg gegen Geld

Schon mit dem Start des App Stores konnten Apps sowohl kostenlos als auch gegen Bezahlung erworben werden. Um neuen Nutzern eine kostenpflichtige App schmackhaft zu machen, veröffentlichten viele Entwickler ihre Anwendung als normale und als „Lite“-Version. Dem Chaos aus normaler und Lite-App setzte Apple mit In-App-Käufen im Betriebssystem iOS 4 ein Ende und schuf die Voraussetzungen, aus Apps echte Cash Cows zu machen. Aufbau-Spiele, in denen man nur mit einem „Beutel voller Münzen“ oder eine „Schatztruhe Diamanten“ weiterkommt, sind in den Top-Ten-Listen des App Stores omnipräsent. Gleichzeitig stehen aber auch nützliche Inhalte zum Kauf bereit. Mit einem Fingerzeig erwerben iPhone- und iPad-Nutzer ein Netflix-Abo, kaufen die digitale Ausgabe ihrer Lieblings-Zeitung oder erhalten ohne zusätzliche App ein Bonus-Level in ihrem Lieblings-Spiel.

 

Gemeinsam mehr Spaß

iPhone und iPad konnten sich zwar schnell als Spielkonsole behaupten, ein Feature fehlte den Geräten aber, um gegen gestandene Hersteller wie Sony oder Microsoft anzutreten: Multiplayer. Dieses Feature hielt erst mit iOS 4 Einzug. Seitdem können Spieler sich einfach durch Eingabe ihres Namens ein Profil erstellen und Freunde über ihren Spitznamen oder die E-Mail-Adresse einladen. Das Gamecenter ermöglicht aber nicht nur die Multiplayer-Funktion, sondern zeigt auch die Punktzahlen der Freunde an.

 

Spiele werden erwachsen

iOS-Adaptionen bekannter Spiele wie „Grant Theft Auto“ ließen mit der immer leistungsstärkeren Hardware nicht lange auf sich warten. Was vor wenigen Jahren nur auf einem leistungsstarken Spiele-Rechner lief, funktionierte plötzlich in der Bahn oder im Urlaub am Strand. Zumindest fast: Die Steuerung konnte bis iOS 6 nur über das Display erfolgen, das nicht sehr präzise war. Mit iOS 7 eröffnete Apple im September 2013 iPhone und iPad für echte Spiele-Controller. Autorennen, Flugstunden oder selbst Abenteuer mit Lara Croft sind seitdem problemlos auf dem iPhone möglich.

 

 

Prime Time!

Mit dem neuen Apple TVsetzte der App Store im September 2015 zum nächsten großen Sprung an. Apps waren mit der Set-Top-Box plötzlich nicht mehr nur auf Smartphones und Tablets begrenzt, sondern konnten auch im Wohnzimmer auf dem Fernseher genutzt werden. Apple TV ist dank des App Stores nicht nur ein kleiner Konkurrent der Spielkonsolen, sondern erlaubt auch das gemeinsame Durchblättern des Ikea-Katalogs, Einkaufen über die Rewe-App oder Pizzabestellungen.

 

Wenn die App zu gut läuft

Dass eine App auch zu erfolgreich sein kann, demonstrierte Niantic im Sommer 2016 mit Pokémon Go. War der seit März laufende Beta-Test wegen der beschränkten Nutzerzahl noch glimpflich verlaufen, brachen zur Veröffentlichung im Juli sämtliche Dämme. Die Entwickler hatten die Popularität ihrer App vollkommen unterschätzt. Kurz nach dem Launch übertraf der durch die Spieler verursachte Datenverkehr das 50fache der maximal verfügbaren Server-Kapazität. Inzwischen laufen die Server jedoch einwandfrei, auch wenn die virtuelle Pokémon-Jagd längst ein weltweites Phänomen geworden ist.

 

 

Die erweiterte Sicht der Dinge

Seit iOS 11 sind Apps nicht länger auf den engen Bereich innerhalb des Bildschirms angewiesen. Stattdessen bewegen sich Möbel, Dinosaurier oder Kritzeleien virtuell im Raum. iPhone und iPad sind nur noch ein Fenster in die Welt virtueller Apps. Möglich macht diese Zauberei ARkit. Damit bauen Entwickler mit wenig Aufwand virtuelle Realität in ihre Apps ein. Demnächst kommt die Schnittstelle in der stark verbesserten Version 2.0 mit dem neuen Betriebssystem iOS 12 auf mehreren Millionen iPhones.

 

Der App Store wird zum Magazin

Auch den App Store an sich hob Apple mit iOS 11 auf eine neue Stufe. Dominierten früher Top-Listen das Bild, ist der App Store seit dem jüngsten großen Update fast zu einem interaktiven Magazin geworden. Auf der Startseite präsentiert Apple ausgewählte Artikel zu spannenden, neuen Apps und hilft iPhone- und iPad-Nutzern so, jeden Tag neue Inhalte zu entdecken. Bereiche wie „Was wir gerade spielen“ oder „Unsere neuen Lieblings-Apps“ laden Nutzer täglich zu einem kurzen Blick in den App Store ein.